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Die Andermatter Bauerntochter Carolin Mazzolini-Regli hat sich, nach einigen Jahren im Unterland, für ein Leben als Bäuerin in ihrem Heimatdorf entschieden.

 

Die Sommer verbringt sie mit ihrer Familie auf der Unteralp. Dort produziert sie vier Tonnen Alpkäse nach Tessiner Art.

"Was mir auf der Alp gefällt? Das kann ich gar nicht sagen. Es ist einfach so, ein Teil meines Lebens. Es kribbelt im Bauch, wenn der Alpsommer naht. Auch das Vieh wird ungeduldig. Dann sind wir oben. Der Sommer vergeht, es wird herbstlich. Und wir freuen uns auf die Rückkehr ins Tal." Es ist nicht so, dass Carolin Mazzolini-Regli die Worte fehlen, wenn sie vom Leben und Arbeiten auf der Unteralp erzählt, die sich, ausgehend von Andermatt, am Gemsstock vorbei von 1500 bis hinauf auf 2300 Meter zieht. Aber wenn sie gefragt wird, was es denn sei, was es ausmache, wenn man den ganzen Sommer auf der Alp verbringt, um hart zu arbeiten, meistens mehr als 12 Stunden am Tag, wird sie wortkarg. So muss es wohl sein, wenn man mit sich im reinen ist, und es keine grundsätzlichen Fragen des Lebens zu beantworten gibt. Die 32-jährige fühlt sich nicht berufen, aber sie, die in Andermatt aufgewachsen ist, hat sich für die Rückkehr ins Hochtal entschieden, nach einer kaufmännischen Lehre mit Berufsmatur, nach zwei Jahren als Software-Supporterin in Emmenbrücke, einem Vorort von Luzern. Es zog sie zurück, sie konnte es nicht richtig fassen oder benennen, sie versuchte es in Erstfeld, um im Urnerland zu sein, und ging schliesslich heim nach Andermatt, machte die Prüfung als Landwirtin und arbeitet heute auf dem Hof ihrer Eltern, den Hof, den sie übernehmen wird, zusammen mit ihrem Mann, einem Veltliner, wenn der Vater in Pension geht. Sie bewirtschaften die 20 Hektaren Wiesland, die übers ganze Urserental verstreut liegen, gemeinsam, kümmern sich um die 13 Milchkühe und die 22 Stück Jungvieh. Ein stattlicher Bergbauernhof, gross genug, um die Existenz zu sichern.

Trendwende

Seit 2004 geht Carolin Mazzolini-Regli auf die Alp, zuerst als Hirtin für drei Sommer im Tessin, danach für zwei Sommer im Binntal im Wallis, wo sie eine stattliche Kuhherde betreute, und nun ist sie schon den vierten Sommer auf der Unteralp, die seit Generationen von ihrer Familie bewirtschaftet wird. Sie gehört der Korporation Ursern, der grössten Landbesitzerin im Urserental, die das "Senntum", so werden die Alpen hier genannt, in einer Art Pacht an eine Gruppe Bauernfamilien vergibt, die wiederum ihren Sennen benennen. Ein kompliziertes Gebilde, entstanden aus der Notwendigkeit heraus, die Allmende, die gemeinsam genutzten Weiden, gerecht zu bewirtschaften und im heiklen, für Trittschäden und Überdüngung sehr empfindlichen Gelände eine Übernutzung zu vermeiden. Fünf Bauern waren bis vor kurzem noch dabei, jetzt sind es noch deren zwei. Das spiegelt die Realität in vielen Bergdörfern im Alpenraum: Das Bauernsterben schreitet voran, Höfe werden aufgegeben und zusammengelegt. Und die Abwanderung. Von Carolin Mazzolini-Reglis Jahrgang 1980, 20 an der Zahl, sind nur noch zwei in Andermatt wohnhaft. Die andern sind weg, ins Unterland, wo es Arbeit gibt und sich Berufswünsche erfüllen lassen. In Andermatt, da wird man Bauer oder ist im Gast- und Baugewerbe tätig. Doch Mazzolini-Regli beobachtet eine erfreuliche Trendwende. Die Jahrgänge nach ihr finden wieder mehr Arbeit und Halt im Dorf.

Kein Zuckerschlecken

Sie darf sich ein wenig als Pionierin fühlen. Als erste Frau, die in Andermatt einen Hof von ihrem Vater übernimmt, und als eine der raren Rückkehrerinnen aus dem Unterland. Das hat nicht zuletzt mit dem Leben und Arbeiten auf der Alp zu tun. Es ist kein Zuckerschlecken, 55 Kühe und 100 Rinder zu betreuen, in einem dreiköpfigen Team, sie, ihr Mann, und ein Hirte, dazu ihr fünfjähriger Sohn, der seit seinem ersten Lebensjahr mitkommt. So sieht der Tagesablauf aus: Um drei Uhr in der Früh beim Licht der Taschenlampe einen Sennenkafi, Incarom mit warmer Milch, schlürfen, dann aufbrechen zum mobilen Melkstand, die Kühe zusammentreiben, melken, mit der Milch zurück in die Hütte, um zu käsen. Zusammen mit der Milch vom Vorabend sind es um 750 Liter, 50 davon kommen ins Butterfass, der Rest wird verkäst. Am Mittagstisch hat die junge Frau oft schon sieben Arbeitsstunden hinter sich. Am Nachmittag gilt es, nach Kühen und Rindern zu sehen, Zäune zu kontrollieren und die alltäglichen Dinge des kleinen Haushaltes in der Alphütte zu erledigen. Am Abend wird nochmals gemolken. Feierabend ist in der Regel, wenn es eindunkelt. Die Ausrüstung in der Alpkäserei ist spartanisch, aber zweckmässig. Solarzellen und ein Generator liefern die Energie. Carolin Mazzolini-Regli macht als einzige Sennin im Urnerland den Käse nach Tessiner Art. Er wird nicht täglich eingesalzen, sondern, nach einem Tag im Salzbad, auf dem Holzbrett täglich gewendet. Den Rest besorgt ein Schimmelpilz, der im Käsekeller gedeiht. Die Alpkäserin hatte gehört, dass auf der Unteralp früher der Käse schon so gemacht worden sei. So versuchte sie es einfach, hoffte auf den Pilz, und siehe da: Es klappte. Zuerst bilden sich auf der Rinde kleine Fäden, und nach und nach entsteht die typische weiss-graue Schimmelschicht. Nach zwei Monaten ist der Käse genussreif und hat dann sein würziges Aroma entwickelt. Er hält aber auch wesentlich länger. Mazzolini-Regli hat zweijährige Laibe im Keller, die vorzüglich schmecken. Auch die verkäste Milch hinterlässt ihre geschmacklichen Spuren. Denn die Zusammensetzung der Kräuter, die die Kühe fressen, verändert sich im Laufe des Sommer, wenn die Milchkühe allmählich von den frühsommerlichen Weiden auf 1500 Meter bis auf die erst im Spätsommer reifen Weiden auf 2000 Meter geführt werden. Dort wachsen die besten Kräuter, die "Muttern" (Alpen-Mutterwurz), wie sie von den Einheimischen genannt werden. Der Ertrag, rund vier Tonnen Käse pro Alpsommer, wird unter den Bauern, die ihre Kühe auf der Alp gesömmert haben, aufgeteilt.

 

Alpkäse von Carolin Mazzolini-Regli gibt es bei Bunaluna by Urner Gnuss, Gotthardstrasse 59, Tel. 0041 41 887 08 80, zu kaufen.

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