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Der Lockdown hat den Tourismus in den Alpen hart getroffen. Auch in Davos, wo man sich schon die Hände rieb über eine Rekord-Wintersaison, ging seit Mitte März touristisch fast nichts mehr. Doch jetzt wird wieder in die Hände gespuckt.

Davos Blick auf Marienkirche01Bei den Davoser ist keine Schlechtwetter-Stimmung zu spüren.

Trübnass ist die Ankunft am verwaisten Bahnhof der Touristenhochburg Davos. Umso sonniger ist dann aber der Empfang durch Monica Alig, die Marktleiterin des SPAR-Lebensmittelmarktes in Davos Dorf. Man merkt schnell, dass ihr keine Krise den Mut und die positive Einstellung nehmen kann.

Das Covid-19-Schutzkonzept, für alle Mitarbeiter gut einsehbar, hängt in der Kantine des SPAR Davos Dorf am Anschlagsbrett. In einer Hauruck-Aktion habe man Plexiglasscheiben, Desinfektionsmittelständer und Bodenkleber nach Davos geliefert und den Markt damit ausgerüstet. „Reibungslos hat alles funktioniert.“ betont sie.

Die einheimischen Kunden hätten die Umstellung sehr gelassen genommen und sich an die Regeln gehalten, versichert Monica Alig. Nur ab und an habe man an der Kasse auf den vorgeschriebenen Abstand hinweisen müssen. Schwätzchen seien aber in dieser Zeit ganz klar weniger geworden. Auch die Mitarbeiter seien ruhig und mit viel Verständnis für die neue Situation ihrer Arbeit nachgegangen.

Auf ihren Markt habe sich die Krise gar positiv ausgewirkt. „Es gab nicht weniger Kundschaft und auch nicht weniger Arbeit.“ Die Zwischensaison im Mai und die damit verbundenen Ferien der Einheimischen, die während der Krise aber nicht verreisen konnten, habe eine positive Auswirkung gehabt. Der Detailhandel habe in dieser Zeit profitiert. Und da Restaurantbesuche auch nicht möglich waren, habe man vermehrt zuhause kochen müssen.

Auf die Frage, was ihr von der Zeit der Krise am meisten im Gedächtnis geblieben sei, antwortet Monica Alig wie aus der Pistole geschossen: „Vorwärtsschauen“ Dann ergänzt sie: „Wir sind abhängig vom Tourismus und vielen anderen, externen Faktoren, deshalb sind wir es uns gewohnt, jeden Tag zu nehmen, wie er kommt. Wir planen kurzfristig“. Beeinflussbar sei nur die Motivation des Personals, und diese habe sie in dieser ausserordentlichen Zeit auch gerne mit einem zusätzlichen Energieriegel oder einem Schöggeli unterstützt. Der Zusammenhalt im Team sei in der Lockdown-Zeit noch stärker geworden. „Alle haben am gleichen Strick gezogen“.

Intensiver sei auch die Zusammenarbeit mit den regionalen Lieferanten gewesen. Die Kunden hätten in dieser Zeit vorwiegend regional und bio eingekauft. Eine Gurke habe auch mal krumm sein dürfen. „Jetzt aber soll die Gurke bitte wieder gerade sein“, fügt Monica Alig mit einem Augenzwinkern hinzu.

Monica Alig01Monica Alig, Marktleiterin des SPAR Davos Dorf schaut positiv auf die vergangenen Wochen im Lockdown. "Vorwärtsschauen" - ihr oberstes Credo. (Bild: Regula Granwehr)

Auf der Promenade in Richtung Davos Platz: gespenstische Leere. Regen, der auf die unbesetzten Tische der Sonnenterrassen trommelt, geschlossene Geschäfte, ganz selten ist eine Person zu sehen. Hat die Krise die Strassen leergefegt oder ist es die Zwischensaison?

Die ultraweisse Fassade des legendären Steigenberger Grandhotel Belvédère blendet auch bei Regenwetter. Entvölkert thront das ehrwürdige Hotel an der Davoser Promenade. Menschenleer wird es bleiben – zumindest für diesen Sommer. Ebenso öffne das Hotel InterContinental seine Tore nicht, kündigt Samuel Rosenast, Leiter Kommunikation vom Davos-Klosters Tourismus an. Besonders im Tourismussektor sei die Fähigkeit, sich auf ständig ändernde Gegebenheiten anzupassen, das A und O. „So wurde angesichts des Lockdown das Gästeprogramm #DreamsUnlimited für die kommende Sommersaison ins Leben gerufen.“ Und weiter: „Für den Winter 20/21 ist noch keine spezielle Kampagne geplant“. Auch hier sei es wichtig, beweglich zu bleiben, und die Entwicklung der Corona-Situation und das Buchungsverhalten zu beobachten. Die Frage, ob denn die Aufforderung des Bundesrates „Machen Sie Ferien in der Schweiz“ schon spürbar sei, beantwortet Samuel Rosenast mit einem Ja. „Die momentane Belegung der Ferienwohnungen zeigt durchaus in diese Richtung“.

Auf der «Hohen Promenade» flanieren, trotz Regen, vereinzelt Personen. Von hier aus geniesst man einen schönen Blick auf ganz Davos. Die 40 minütige Wegstrecke ist abwechslungsreich und fussgängerfreundlich. Bänklein laden zum Verweilen ein und lassen erahnen, dass dieser Weg an sonnigen Tagen und ausserhalb der Corona-Zeit, gut besucht ist. Wer die Wanderdauer verkürzen oder verlängern möchte, hat von der „hohen Promenade“ aus diverse Möglichkeiten.

Die Fahnen vor der Jugendherberge Davos, einem ehemaligen Sanatorium, behaupten sich wendig gegen den zunehmenden Wind und den Regen. Genauso dynamisch wurden im Innern der Jugendherberge die Vorgaben des Bundes und deren Umsetzung gehandhabt. „Insgesamt war das alles gut machbar und die Vorgaben konnten problemlos umgesetzt werden. Besondere Herausforderungen gab es keine“, teilt Betriebsleiter Guido Truninger mit. Auch auf der Seite der Gäste sei grosses Verständnis für die umzusetzenden Massnahmen vorhanden, und so sei auch der Monat Mai unter den gegebenen Umständen entsprechend erfreulich gewesen. Die Schweiz hat es, anders als die Nachbarstaaten, den Hotelbetrieben überlassen, ob sie ihre Türen offenhalten oder nicht. Auf die Frage, welche Erwartungen er habe, schöpft Guido Truninger aus seinem Erfahrungsschatz und meint: „Kurzfristige Buchungen werden in jedem Fall kommen“. Und er ergänzt: „Im Herbst sind einige Gruppen zu erwarten, und wir können mit einem kleinen Aufschwung rechnen“. Auch die Schliesszeit von Ende Oktober bis Mitte November werde man dieses Jahr ausfallen lassen, damit diejenigen Gruppen aufgenommen werden können, die sonst im Juni Davos besucht hätten“.

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