Welterbe

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Salzkammergut: Wie sich der einst beschauliche Ort Hallstatt zu einem touristischen Magnet entwickelt hat.

Beim Blick von der Aussichtsplattform am Bergrestaurant Rudolfsturm hinunter nach Hallstatt reibt man sich verwundert die Augen. Hinter dem schmalen bebauten Seeuferstreifen überraschen die an einem steilen Berghang errichteten Gebäude durch einen Verschachtelungseffekt, den man mit Fug und Recht atemberaubend nennen darf.

In statischer Hinsicht, so könnte man meinen, ist das gut 700 Einwohner zählende Hallstatt am gleichnamigen See ein Ding der Unmöglichkeit. Aber die Bewohner des Marktfleckens hatten damals keine Wahl. Sie mussten schnell erlernen, wie man mit dem bebaubaren Grund und Boden überlegt umging.

Bild © T. Veser

Platzmangel allenthalben: Als der Friedhof überfüllt war, baute man bei der gotischen Pfarrkirche ein Beinhaus. Dort wurden die Schädel der Bestatteten, mit einer Inschrift versehen, einige Jahre nach der Bestattung untergebracht. So entstand fortwährend Platz für neue Gräber.

Fjordlandschaft in Oberösterreich

Überwiegend gehen die Ausläufer des Dachsteingebirges direkt in den See über und das verleiht ihm stellenweise das Aussehen eines Fjords. In Hallstatt wurden etliche Gebäude in Ufernähe auf Pfählen errichtet und dort stehen sie noch heute. Das Erscheinungsbild des Ortes hat sich trotz eines Brandes 1750 kaum verändert.

Dass der Salzhandel dem kleinen Ort einstmals grossen Wohlstand brachte, lässt sich an den spätbarocken Wohnhäusern der «Salzfertiger» ablesen. Während die unteren Stockwerke aus Stein gemauert wurden, ruhen die oberen Etagen auf massiven Tonnengewölben. Die meisten Salzfertigerhäuser erheben sich rund um den dreieckigen Marktplatz. Eng mit der Geschichte des Salzabbaus verbunden, wurde die Kulturlandschaft Hallstatt-Dachstein 1997 zum Unesco-Weltkulturerbe gekürt.

Der Aufstieg begann in der frühen Eisenzeit gegen 800 vor der Zeitwende. Damals spielte der Ort eine so wichtige Rolle, dass die Archäologie sie mit dem Begriff «Hallstattkultur» umschrieb. In der Kulturentwicklung gilt die Hallstattzeit als jener Abschnitt, in dem die Metalle Fabrikationstechniken, Handwerkskenntnisse und kunsthandwerkliche Schöpfungen am stärksten prägten.

Die vielfältigen Grabbeigaben beweisen, dass der Ort schon sehr früh einen schwungvollen Handel mit anderen Regionen Mitteleuropas, den Adria-Anrainern und Partnern im Baltikum betrieben hatte. Die Grundlage lieferte das «weisse Gold», das im Salzbergwerk bereits nach industriellen Gesichtspunkten gefördert wurde.

Auf der Holzrutsche in die Vorzeit

Bild © T. VeserEinblicke in die damalige Welt vermittelt das Schaubergwerk oberhalb des Orts, das nicht weniger empfehlenswert ist als das Welterbemuseum und das Stadtmuseum im Ort. Bei den geführten Besichtigungen gelangt man zunächst durch einen Tunnel zu einer hölzernen Rutsche, über die übrigens nicht nur Kinder mit grossem Vergnügen in die Ausstellungsräume gelangen.

Vieles deutet darauf hin, dass die prähistorischen Bergleute von Hallstatt bereits eine strikte Arbeitseinteilung betrieben hatten. Für den hohen Organisationsgrad spricht der Umstand, dass sämtliche Zutaten der Bergmannsmahlzeit, die aus Kolbenhirse, Saubohnen, Gerste und manchmal etwas Fleisch bestand, von weit her in die Stollen gebracht wurden. Dass die Fundobjekte, darunter auch ein 1723 entdeckter «Mann im Salz» so gut erhalten sind, ist der konservierenden Wirkung von Salz zu verdanken.

Wie anthropologische Knochenanalysen bewiesen, mussten damals auch schon Kinder ab fünf Jahren mithelfen. Ihnen kam vermutlich die Aufgabe zu, in den bis zu 300 Meter tief gegrabenen Stollen mit brennenden Holzspänen für die nötige Beleuchtung zu sorgen. Wie der Wiener Archäologe Daniel Brandner betont, haben demnach auch Wohlhabende im Salzabbau hart gearbeitet. Diesen Schluss legen Untersuchungen an Knochen in Gräberstellen mit wertvollen Grabbeigaben nahe. Was Archäologen im Laufe der Zeit ausgegraben haben, befindet sich heute überwiegend im Wiener Naturhistorischen Museum.

Mit der Eröffnung des ersten Kurhotels Mitte des 19.Jahrhunderts brach für Hallstatt die Ära des Fremdenverkehrs an. Seit der Erhebung zum Weltkulturerbe verzeichnet die kleine Gemeinde, die zwar zum touristischen Magneten aufstieg, in den letzten Jahren jedoch einen Einwohnerschwund in der Gegend von zehn Prozent hinnehmen musste, rekordverdächtige Besucherzahlen. Bis zu 700‘000 Tagesgäste zählt die Gemeinde nach Angaben des Tourismusamtes jährlich.

Deshalb sind Versuche, dort während der Hochsaison ohne Reservierung zu übernachten, ziemlich aussichtlos. War der Hallstatter Fremdenverkehr einst auf die Sommerzeit begrenzt, sind heutzutage viele Betriebe ganzjährig geöffnet. Im Herbst findet man deshalb problemlos eine Unterkunft. Die im Sommer stattfindenden Kulturveranstaltungen sind dann zwar vorbei, langweilig wird es trotzdem nicht. Dafür sorgt nicht zuletzt das Handwerkhaus im benachbarten Bad Goisern, das den Besuchern das ganze Jahr über Handwerk und Kultur unter einem Dach bietet.

Bild © T. Veser

www.hallstatt.net

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