Pärke in den Alpen

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Die Nationalparks Kalkalpen in Oberösterreich gehört zur Kategorie II der World Conservation Union. Ein Augenschein zeigt, dass vom Nebeneinander von Mensch und Natur im geschützten Rahmen beide Seiten profitieren.

Blahbergalm mit Murbodner RinderNationalpark Kalkalpen Sieghartsleitner klein
Blahbergalm mit Murbodner Rinder (Foto: Nationalpark Kalkalpen)

Der Blick schweift über Hügelkämme und bewaldete Flanken und streift an Kalkfelsen entlang. Ein ungewohntes Panorama: Keine Almhütten oder Steinbrüche. Nichts zu sehen von einer kahl geschlagenen Waldfläche, um sie für die Aufforstung bereit zu machen. Kein Zeichen menschlicher Zivilisation. Es ist der Blick auf den Nationalpark Kalkalpen, dem grössten zusammenhängenden Waldgebiet Österreichs. Es liegt etwa 80 Kilometer südlich von Linz. Erst seit 1997 ist die Gegend geschützt. Der Park ist von der Bevölkerung gut akzeptiert. Mehr noch: "Heute wird hier noch zur Regulierung der Waldbestände gejagt. Ich habe die Hoffnung, dass eines Tages ganz darauf verzichten wird, vielleicht mit Ausnahme von Hegeschüssen, die der Walderneuerung dienen." Der das sagt, ist nicht etwa ein radikaler Ökologe, sondern Herbert Sieghartsleitner, ehemaliger Leiter der Jagdgesellschaft Molln und seit April 2019 Landesjägermeister von Oberösterreich. Was ist hier in Oberösterreich im 200 Quadratkilometer grossen Nationalpark und seinem Umland mit den 17 Gemeinden und den rund 14'000 Einwohnern passiert?

"Am Anfang war ich sehr skeptisch und dachte unsere Freiheit würde zu sehr eingeschränkt. Doch es ist alles besser gekommen als wir gedacht haben", gesteht die Bäuerin Brigitte Gruber. Ihr Mann war einer der Ersten, der sich auf eine Zusammenarbeit mit dem Park einliess, denn die Alm liegt an einem Weg mitten im Parkgebiet. Er hat den Entscheid nie bereut. "Heute ist die Entschädigung für die Almpflege ein wichtiger Bestandteil des Einkommens geworden", erklärt Brigitte Gruber. Und der Park schürt Zukunftshoffnungen: "Es kommen mehr Wanderer und Fahrradfahrer vorbei. Wir überlegen uns, ein Verpflegungsangebot aufzubauen."

Der Nationalpark Kalkalpen besteht aus dem Sengsengebirge und dem Reichraminger Hintergebirge. 80 Prozent sind bewaldet, 15 Prozent sind Fels und die restlichen fünf Prozent teilen sich auf 34 Almen auf. Die Almen werden weiterhin bewirtschaftet, um die etablierten Ökosysteme mit zahlreichen Schmetterlings- und Pflanzenarten zu schützen. Seit die Bauern Unkraut nicht mehr chemisch eliminieren dürfen, sondern es ausstechen müssen, erholen sich viele seltenen Insekten- und Schmetterlingsarten. Quantifiziert worden sind diese Angaben noch nicht. Von 15'000 bis 20'000 geschätzten Tierarten im Park wurden erst 2‘500 dokumentiert. Für eine systematische Inventarisierung fehlt das Geld.

FrauenschuhNationalpark Kalkalpen Sieghartsleitner klein
Der Frauenschuh und andere farbenfrohe Blumen sorgen für eine bunte Flora in den Kalkalpen (Foto: Nationalpark Kalkalpen)

Ein konfliktträchtiges Anliegen
800 Quellen münden in insgesamt 180 Kilometer unverbaute Bachläufe. Die Fliessgewässer sind deshalb ein besonders wichtiger Parkteil. Sie sind auch die Heimat einer autochthonen Bachforelle, welche ursprünglich von der Donau stammt. Es war auch die Bedrohung dieses einzigartigen Wassersystems durch einen geplanten Stausee, welche mit Unterstützung aller Parteien zur Gründung des Nationalparks Kalkalpen führte.

HaselschluchtNationalpark Kalkalpen Sieghartsleitner klein
Das Wasser spielt in den Kalkalpen eine wichtige Rolle. Es ist besonders geschützt. (Foto: Nationalpark Kalkalpen)

Höhlenschätze KristallbeckenForscherteam Klarahöhle klein
Wer keine Mühen scheut, kann in den Kalkalpen eindrückliche Grossen entdecken. (Foto: Nationalpark Kalkalpen)

"Damit haben wir die Faktoren ausgeschaltet, welche Flora und Fauna bedrohen könnten", erklärt Nationalpark-Ranger Bernhard Sulzbacher. Nun sind die Bestände seltener Tierarten wie Haselhuhn, Alpenbockkäfer, Weisser Rückenspecht, Dreizehenspecht ebenso gesichert wie der Wanderfalke, der Schwarze Apollofalter, aber auch im Wasser lebende Tierarten wie der Steinkrebs und die schon erwähnte Urforelle. Auch Pflanzenarten können sich nun vom Menschen unbedrängt entwickeln: Erwähnenswert sind österreichische Wolfsmilch, der Frauenschuh oder die Eiben. Im modernen, mit Holz erbauten Nationalparkgebäude in Molln äussert sich der für die Forschung zuständige Biologe Erich Weigand über die Bedeutung des Nationalparks: „Die frühere wirtschaftliche Nutzung hat das Waldbild verändert. Heute ist die Fichte der dominierende Baum im Nationalpark. Jetzt können wir beobachten, unter welchen Umständen sich ein natürliches System ohne direkten menschlichen Einfluss entwickelt.“ Von grosser Bedeutung ist deshalb die Beteiligung am UN-Forschungsprogramm „Integrated Monitoring“. Dabei wird der indirekte menschliche Einfluss über Stoffeinträger wie Wind, Nebel, Schnee und Regen auf das System beobachtet. Die Langzeitbeobachtung der Ökosysteme ist vor allem im Hinblick auf den Klimawandel von Interesse.

SteinadlerNationalpark Kalkalpen Mayr klein
Sogar der Steinadler ist in den Kalkalpen heimisch. Ihn zu sehen, ist allerdings ein Glück (Foto: Nationalpark Kalkalpen)

Neben dem Naturschutz stand immer auch die Regionalentwicklung im Vordergrund. In der Gegend gibt es keine touristischen Highlights – nur Natur pur. Inzwischen hat sich der erhoffte Parktourismus entwickelt. Dazu trägt die Parkverwaltung bei, welche vielseitige Exkursionen anbietet. Für den ehemaligen Parkdirektor Erich Mayrhofer gehört es zu den wichtigsten Aufgaben, die Besucher für den Naturschutz zu begeistern. Etwas ernüchtert sagt er aber auch: „Naturschutz inmitten eines besiedelten und genutzten Raumes zu betreiben, bleibt auch nach einer Parkgründung manchmal ein konfliktträchtiges Anliegen.“

Luchsin KoraNationalpark Kalkalpen Kronsteiner klein
Auch Lüchsin Kora hat in den Kalkalpen ihre Heimat gefunden. Sie zu Gesicht zu bekommen, ist eher unwahrscheinlich. (Foto: Nationalpark Kalkalpen)

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