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In Tenna im Graubündner Safiental ist der weltweit erste Solarskilift in Betrieb.

 

Der Solarstrom wird dabei mit einer raffinierten Konstruktion direkt auf der Liftanlage produziert. Eine bestechende Idee, die gut zu diesem Bergdorf passt, das allen Trends trotzt und prosperiert, ohne seinen Ursprung und seine Seele zu verraten.

Ein schöner, nicht zu steiler Hang mit leicht nördlicher Ausrichtung zieht sich von der Sonnenterrasse Usserbärg (1644 m), einem Ortsteil der Safientaler Gemeinde Tenna, hinauf zum Schlüechti (2283 m), wo im Sommer das Alpvieh weidet: ein ideales Wintersportgelände. Wäre da nicht die schmale Zufahrtsstrasse durch die wilde Rabiusschlucht, wer weiss, ob in den Boomzeiten des Wintertourismus in den 1960er- und 1970er-Jahren das Bergdorf nicht zum Skigebiet ausgebaut worden wäre, so wie die nur wenige Kilometer entfernte "weisse Arena" in Flims und Laax mit 27 Beförderungsanlagen? In Tenna ist es bei einem 1970 gebauten Skilift in Usserbärg geblieben, erbaut von der der Industrie-Gemeinde Uzwil im St. Galler Fürstenland, der Besitzerin des bis heute einzigen Hotels am Platz, dem schon 1906 eröffneten "Alpenblick". Die Kommune hatte den damals maroden Betrieb in den 1950er-Jahren übernommen und damit einen freundeidgenössischen Beitrag zur Förderung des Tourismus im Berggebiet und der Begegnung von Unterländern und Berglern geleistet - zahlreiche Schülerinnen und Schüler aus Uzwil verbrachten ihre Lagerwochen in Tenna. Das von einem Geranten geführte, schmucke Hotel gehört den Uzwilern noch heute. Vor zehn Jahren übergab die des Skiliftbetriebes überdrüssig gewordene Gemeinde den 450 Meter langen Lift für einen symbolischen Franken an die von Einheimischen und Gästen gleichermassen getragene Genossenschaft Skilift Tenna. Sie war gegründet worden, um die einzige Wintersportanlage im Safiental vor der Schliessung zu bewahren. Das gelang. Und nicht nur das. "Wir haben seither in allen Betriebsjahren schwarze Zahlen geschrieben und gar etwas Geld auf die hohe Kante der Genossenschaft legen können", freut sich Genossenschafts-Präsident Edi Schaufelberger. Zu den Gästen zählen Einheimische und Gäste gleichermassen. Der Skilift, der von Weihnachten bis Mitte März in Betrieb ist, sei zum beliebten Treffpunkt für jung und alt geworden. Es ist Wintersport, wie man ihn kaum mehr kennt: Ein Lift, Naturschnee, ein paar Abfahrten, eine kleine Beiz an der Talstation, ein baulich intaktes Dorf, in dem vor allem Bauern und ein paar wenige Tourismus-Dienstleister leben. In Tenna scheinen die Uhren vor 40 Jahren angehalten worden zu sein. Doch der Eindruck täuscht. Nimmt man es etwas genauer, ist in Tenna kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Es begann 1986 mit der Gemeinde-Melioration. Die Bevölkerung war seit 1950 von 141 auf noch 96 Seelen geschrumpft, das Dorf schien erstarrt in seinen jahrhundertealten Strukturen, die eine Bewirtschaftung der im ganzen Tal verstreuten Flächen für die verbliebenen Bauern fast verunmöglichten. Die Güterzusammenlegung ging einher mit einer Modernisierung der Infrastruktur: Das Gemeindestrassennetz wurde ausgebaut, sämtliche Leitungen wurden in den Boden verlegt. Dazu kam die Umstellung des bisherigen landwirtschaftlichen Geschäftsmodells. Edi Schaufelberger war vor 25 Jahren noch belächelt worden, als er auf biologische Produktion, Mutterkuhhaltung und Direkt-Vermarktung setzte. Doch es war der Weg in die Zukunft. Heute setzt keiner der elf landwirtschaftlichen Betriebe mehr auf die reine Milchproduktion, neun Landwirte halten Mutterkuh-Herden, zwei setzen auf Kälbermast, sieben haben voll auf Bio umgestellt, einige bieten Ferien auf dem Bauernhof an. Gekäst wird nur noch im Sommer auf der Alp. Doch auch dann bleibt die Wertschöpfung im Tal. Aus reinen Milchproduzenten, die mit der Weiterverarbeitung kaum mehr etwas zu tun hatten, sind Produkteveredler in eigener Sache geworden. Vom Frischfleisch über den Alpkäse bis zum Salsiz oder der Bündner Nusstorte haben sie hochwertige Lebensmittel im Angebot.

 

Innovation im Safiental: Solarskilift in Tenna (Bilder: Skilift Tenna)

 

"Wir haben das Heft in die eigenen Hände genommen", bilanziert Schaufelberger. "Und wir fahren sehr gut damit". Heute leben in Tenna wieder 113 Einwohnerinnen und Einwohner, knapp ein Drittel der Bevölkerung zählt unter 20 Jahre, für die Schule, an der zurzeit mit steigender Tendenz acht Kinder unterrichtet werden, ist ein Neubauprojekt aufgegleist. Wichtigster Erwerbszweig in Tenna ist neben der Landwirtschaft der Tourismus, doch ist die Dominanz bei weitem nicht so ausgeprägt wie in vielen anderen Fremdenverkehrsorten des Berggebietes. Neben dem Hotel Alpenblick gibt es zwei weitere Beherberungsbetriebe und eine ganze Reihe von Ferienwohnungen und -häusern. Ist es im Sommer vor allem die intakte Berglandschaft, die die Gäste anlockt, so spielt im Winter der Skilift eine wichtige Rolle -auch für die lokale Wirtschaft. Alleine der Liftbetrieb mit einem Umsatz von 60’000 Franken garantiert acht Saisonarbeitsstellen, dazu kommen weitere Arbeitsplätze, deren Existenz zu einem wesentlichen Teil am Lift hängt, in den Hotels und Gästehäusern, im Pistenbeizli, im Volg-Laden oder auch im Postauto..

Diese Zahl soll nun noch markant gesteigert werden -mit dem ersten Solarskilift der Welt, der in dieser Wintersaison seinen Betrieb aufnimmt. Verschiedene Projektideen waren in den vergangenen Jahren gewälzt worden, um den in die Jahre gekommen Skilift zu ersetzen, für den es kaum mehr Ersatzteile gab. Man war sich einig: Es sollte etwas Besonderes sein an der neuen Anlage, etwas, das andere nicht haben. Aus der Idee, den Lift mit umweltfreundlichem Solarstrom zu versorgen, wurde schliesslich ein kleines technisches Meisterwerk: Solarpanels werden auf dem Lifttrassee oberhalb des Zugkabels so raffiniert an zwei Tragseilen montiert, dass sie, vollautomatisch gesteuert, dem Lauf der Sonne folgen und damit den höchst möglichen Wirkungsgrad erzielen. "Damit produzieren wir jährlich rund 90’000 Kilowattstunden Strom. Das ist genug, um neben dem Solarskilift auch noch 12 Einfamilienhäuser mit Strom zu versorgen". Im Winter, wenn die Solarpanels jahreszeitbedingt nicht genügend Strom produzieren, um den Lift effektiv damit betreiben zu können, wird solar produzierte Elektrizität dazugekauft. "Wir bieten also keine Mogelpackung, sondern zu jeder Betriebszeit echten Solarstrom". Die Einnahmenüberschüsse aus dem Stromverkauf sollen zur Tilgung der Mehrkosten von rund 500’000 Franken (bei Gesamtkosten von 1,3 Millionen) verwendet werden. Finanziert worden ist der Solarskilift fast ganz ohne Bankkredit. Neben dem Ersparten aus zehn Betriebsjahren (rund 150'000 Franken) und Beiträgen der 175 Genossenschafter (weitere 150’000 Franken) gab es Zuschüsse aus verschiedenen Töpfen, von den Gemeinden des Safientales, der Gemeinde Uzwil, weiterer privater Sponsoren sowie zinslosen Darlehen. Edi Schaufelberger freut sich auf die erste Wintersaison mit dem Solarskilift. "Wir erwarten schon, dass mit der auf 800 Personen pro Stunde verdoppelten Kapazität einiges mehr los sein wird", sagt er. Aber die Schuster aus Tenna bleiben bei ihren Leisten. "Wachstum Ja. Aber in einem Rahmen, der uns weiter in dieser wunderbaren Landschaft atmen lässt".

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