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Chiavenna, seit Jahrhunderten Raststation für Reisende und Händler, bietet gleich zwei interessante Zugänge.

Das Wappen zeigt zwei sich kreuzende Schlüssel. Es ist das Stadtwappen von Chiavenna, im 13. Jahrhundert in den Turm der Kirche San Antonio graviert. Der eine Schlüssel zeigt in Richtung Maloja, der andere zum Splügen. Chiavenna hielt zu beiden damals wichtigen Pässen die Schlüssel in der Hand." Im Mittelalter neigten die Menschen dazu, Ortsnamen instinktiv zu deuten. Aus dem römischen "Clavenna" leitete man "clavem" (Schlüssel) ab: Das bis heute verwendete Stadtwappen war geboren. Die mittelalterliche Deutung ist verfänglich. Wer damals Chiavenna kontrollierte, beherrschte gleichzeitig die beiden wichtigen Alpenpässe. Jeder Reisende musste die Stadt passieren - und durfte erst nach Bezahlung eines Wegzolles weiterfahren. Das, und der Handel selbst, machte viele Familien in Chiavenna reich. Über den ganzen Mittelmeerraum reichten die Geschäftsbeziehungen. Fast die ganze Altstadt geht auf diese wirtschaftliche und kulturelle Blüteperiode zurück, die bis Ende des 17. Jahrhunderts andauerte. Entlang der Via Dolzino reihen sich wie Perlen die Wohnhäuser der Nobili der Stadt, allen voran der Palast der bündnerischen Salis mit einem prächtigen, leider nicht zugänglichen Park im Innenhof. Dort, wo schon vor Jahrhunderten der Handel abgewickelt wurde, ist es heute nicht viel anders: Modische Boutiquen und Spezialitätengeschäfte wechseln sich ab mit schicken Bars und Trattorias. Das Ambiente könnte schöner nicht sein: Die Verkaufsräume befinden sich in den grottenähnlichen Erdgeschossen mit schönen Kreuzgewölben. Die oberen Stockwerke stehen hingegen häufig leer. Die Häuser sind alt und haben oft nicht einmal eine Heizung. Deshalb sind viele Einwohner in die in den vergangenen Jahrzehnten hochgezogenen Neubauviertel gezogen. Die Bemühungen der Stadt, sie zurückzulocken, haben bisher nicht viel gefruchtet. Das trägt mit dazu bei, dass es abends, wenn die Geschäfte schliessen, für italienische Verhältnisse gar ruhig wird in den Gassen der Altstadt.

Chiavenna, die Schlüsselstadt: Ein stimmiges Bild. Doch es hat einen Haken: Es ist wahrscheinlich falsch. Die moderne Sprachforschung führt das römische 'Clavenna' auf das im Mittelmeerraum gebräuchliche "clava" zurück, was soviel wie Schwemmkegel, Flussdelta oder einfach eine Anhäufung von Geröll bedeutet. Chiavenna ist tatsächlich von den Römern als strategischer Stützpunkt auf den Ablagerungen des Mera-Flusses gebaut worden. Geröll gibt es hier mehr als genug - man braucht nur ins Bett des Flusses zu schauen, der heute die Stadt in einer tiefen Furche zweiteilt. Immer wieder haben sich nach dem Rückzug der Gletscher Steinmassen von den Hängen gelöst und sind zu Tale gestürzt. Letztmals 1618, als die Ortschaft Piuro in Sichtweite von Chiavenna von einem Bergsturz vollständig verschüttet wurde. 1000 Menschen kamen dabei ums Leben. Lässt man die sprachhistorischen Spitzfindigkeiten um die Namensherkunft Chiavennas einmal beiseite, so haben letzlich beide Auffassungen ihr Wahres. Denn seit der Römerzeit war Chiavenna tatsächlich die wichtige Schnittstelle bedeutender Handelsrouten. Vom 16. bis Ende des 18. Jahrhundert herrschten hier die Bündner, die sich mit ihrer Misswirtschaft aber selbst in Misskredit brachten und 1798 auf Geheiss Napoleons schliesslich abziehen mussten. Als Handelsmetropole marginalisiert wurde Chiavenna mit Eröffnung der grossen Alpentunnels im 19. Jahrhundert. Seither führt die Stadt ein stilles Dasein im Schatten der heute viel bedeutenderen Handels- und Industriemetropolen.


Mitten durch die Altstadt Chiavennas rauscht wildes Wasser. (Bild: pd)

Zurück zu den Geröllhalden: Wer darin mehr erkennen mag als wüste Steinhaufen, der stösst in Chiavenna auf ein Naturwunder: den Parco delle Marmitte dei Giganti, wo die Gletscher der Eiszeit eine phantastische Landschaft geformt haben, voll von Rillen, Rinnen, Becken und vor allem Gletschermühlen, rund, spiralförmig gewunden oder als Kleeblatt. Das grösste Gletschererosionsgebiet Europas beginnt mitten in der Stadt, gleich hinter dem Castello. Es empfiehlt sich, gutes Schuhwerk mitzunehmen. Für Eilige sei ein Besuch im botanisch-archäologischen Garten "Paradiso" angeraten, der sich auf dem Burghügel erstreckt und einige kleine Kostproben dessen bietet, was einem im eigentlichen geologischen Parkgebiet erwartet. Schlägt man einen kleinen Bogen rechts um den Hügel herum, dann links vorbei am heute geschlossenen Hotel Caurga, findet man sich plötzlich inmitten einer riesigen Felsspalte wieder. Mehrere Dutzend Meter geht es beidseits senkrecht hoch. Oben schwingt sich kühn eine kleine Brücke über die künstliche Schlucht. Seit Römertagen ist hier der Stein aus dem Fels geschlagen worden - Speckstein, leicht zu bearbeiten und heute noch an jeder Ecke der Stadt zu finden, als Säule im Hof der Chiesa San Lorenzo, Fensterbänke in der Altstadt, Grabsteine oder in Form von kleinen Zylindern im historischen Strassenpflaster. Das sind mittelalterliche Bearbeitungsreste, die hier noch Verwendung fanden. Der berühmteste Speckstein-Brocken ist das Taufbecken im Baptisterium von San Lorenzo. Es stammt aus dem 12 Jahrhundert. Hier reichen sich Geologie und Geschichte die Hand.

Es gibt noch einen profaneren Ort für das Geschick der Menschen, aus den Schätzen der Geologie ihren Nutzen zu ziehen: die Crotti, natürliche Hohlräume im Fels, entstanden durch die Anhäufung riesiger herabgestürzter Steinblöcke. Durch Spalten strömt Luft in diese Grotten, die das ganze Jahr über die Temperatur bei konstant 6 bis 8 Grad hält: Ideal für die Reifung von Wein, Käse und Fleisch. Doch nicht nur das. Vor den Crotti wird seit Jahrhunderten die Gastfreundschaft gepflegt. 1781 schrieb ein Fremder an die Wand der Crotto Giovanantoni: "Hier trinkt man guten Wein und lernt etwas über die Menscheit." So ist es bis heute geblieben.


Anreise:
Wer's gerne hochalpin mag, dem sei der Splügen ans Herz gelegt. Der Maloja gibt sich nach dem steilen Abstieg ins Bergell sanfter. Chiavenna ist auch ans öffentliche Schweizer Verkehrsnetz angeschlossen: Ab St. Moritz verkehrt der Palmen-Express der Post. Endstation ist Lugano.

Unterkunft:
Mehrere Hotels in verschiedenen Kategorien, vom Einstern "Helvetia" bis zum Dreistern "Crimea".

Essen:
Die lokale Küche besticht mit vielen Köstlichkeiten, vor allem Pilz-, Kastanien und Wildgerichte sind empfehlenswert, daneben gibt es eine reichhaltige Käse-Auswahl zu probieren. Empfehlenswert "Uomo Selvatico" und "Al Tenacolo".

Einkaufen:
Viele Modegeschäfte und Delikatessenläden entlang der Via Dolcini. Die Preise sind leider oft überrissen.

Umgebung:
Nebst dem Parco Marmitte die Giganti sehr sehenswert die "Cascata dell' acquafraggia" zwischen San Abbondio und Borgonuovo, die sich über 30 Meter in die Tiefe stürzen. Hoch erhaben über Chiavenna ist der Ort Pianazzola gelegen, den man über zahlreiche Serpentinen erreicht. Phantastisch die terrassierten Trockenmauern, wo seit Jahrhunderten Wein angebaut wird - leider nur für den Familienbedarf. Von dort aus führt ein prächtiger Wanderweg hinauf zum Dörfchen Dalo, das nur noch im Sommer bewohnt ist.

 

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