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Mit naturnahem Tourismus im Biosphärenreservat Entlebuch soll die Zahl der Sommergäste gesteigert werden. Das Konzept kommt gut an. Doch es hat seine ökonomisch bedingten Grenzen. (2010)

“Es gab Zeiten, da haben die Menschen die Pilze nur dann aus den Entlebucher Wäldern geholt, wenn sie an Hunger litten. Heute müssen wir Vorschriften erlassen, um eine Ausplünderung der Pilzbestände zu verhindern". Walter Küngs Pilzhorizont weist weit über Steinpilze und Eierschwämme hinaus, die zu den begehrtesten Speisepilzen zählen und einem entsprechend grossen Druck von Sammlern ausgesetzt sind. Seine Passion gilt nicht nur der Bestimmung der Pilzarten, von denen er Dutzende auf Anhieb erkennt. Auch die historischen Beziehungen des Menschen zum Pilz, oder das Bild, das man sich von den rätselhaften Früchten des Waldes machte, als es noch keine naturwissenschaftlichen Erklärungen dafür gab, liegen im Blickfeld des Pilzkontrolleurs. Seinen Pilzkosmos teilt Küng an diesem schönen Spätsommermorgen mit 22 Interessierten, die sich auf 1400 Meter über Meer auf der Alp Stäldeli oberhalb von Flühli versammelt haben. Anlass ist eine vom Tourismusbüro Sörenberg Flühli im Rahmen des Programmes “Erlebnis UNESCO Biosphäre Entlebuch" veranstaltete Pilzexkursion. Die Teilnehmer weisen einen sehr unterschiedlichen Wissensstand in Sachen Pilze aus. Manche würden sogar an einem Steinpilz achtlos vorbeigehen, ohne ihn zu erkennen, während die erfahrenen Sammler sich von der sechsstündigen Exkursion den einen oder anderen Geheimtipp vom Pilzexperten erhoffen. Die meisten stammen aus der Region oder anderen Landesteilen der Schweiz, einige wenige sind ausländische Feriengäste.

Staunen und Nachhaken

Küng erklärt Geologie und Geographie der Region, bevor er zu seinem eigentlichen Thema kommt: den Pilzen, ohne die ein höheres Leben auf der Erde kaum vorstellbar wäre. Die in schier unendlichem Variantenreichtum vorkommenden Pilze sind die Aasfresser der Natur. Sie machen totes organisches Material anderen Organismen wieder zugänglich. Dass manche Pilze essbar sind, erscheint aus dieser Perspektive fast schon nebensächlich. Wer indes selbst gesammelte Pilze auf seinem Teller haben möchte, muss sich auskennen. Auch darum geht es Walter Küng. “Wenn Sie sich nicht ganz sicher sind, lassen Sie lieber die Finger von einem Pilz", rät er. Heute gilt diese Regel indes nur bedingt. Küng möchte am praktischen Beispiel einige Pilze vorstellen und schickt die Teilnehmer los, in einem Waldstück aufs Geratewohl zu sammeln. Nach einer halben Stunde kommt so eine stattliche Anzahl verschiedenster Pilze zusammen. Küng pickt sich die interessantesten Exemplare heraus, um sie zu bestimmen. Die Laien staunen, die Erfahrenen haken nach. Weiter geht die Wanderung, hinein in ein Hochmoorgebiet: Gelegenheit für einen Exkurs über die faszinierende Fauna dieser Sumpflandschaft, in der sich auch Pilze finden. Die Stunden zerrinnen im Flug, und eine deutsche Teilnehmerin bringt den Ausflug, der am Nachmittag endet, auf den Punkt: “Ich habe eine neue Welt entdeckt".

Nachfrage beschränkt

Bruno Fläcklin, Direktor von Sörenberg Flühli Tourismus, freut sich über das Lob der Touristin. “Wir möchten unseren Gästen die Bergwelt des Entlebuch mit unserem Exkursionsprogramm näher bringen", erklärt er. Vor fünf Jahren wurde das Programm ins Leben gerufen. Heute ist es eines der umfangreichsten in der Schweizer Tourismuslandschaft. Der Themenrayon reicht von “Waldschäden und ihren Folgen" über klassische Tier- und Pflanzenbeobachtung (Steinadler, Fledermäuse, Wild, Heilkräuter und Giftpflanzen) bis zu Nachtwanderungen (“mit allen Sinnen in die Nacht") oder Flusstrekkings. Den meisten Zuspruch findet die Karstwanderung zum Schrattenfluh, zu der auch eine Expedition in eine Höhle gehört. Die Exkursionsleiter sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und kommen mit wenigen Ausnahmen aus der Region. Eine Auswertung für die Sommer- und Herbstsaison 2003 zeigt, dass von total 65 Angeboten deren 34 tatsächlich durchgeführt wurden. Die Teilnehmerzahl lag bei 443. Dazu kamen weitere 1'000 Personen, die sich im Rahmen von organisierten Gruppenausflügen die Karsthöhlen zeigen liessen. Diese Zahlen sind nicht berauschend. Immerhin zählt die Region im Sommer rund 30'000 Übernachtungen. Dazu kommen viele Tagesausflügler. “Die Natur-Exkursionen sind ein Nischenangebot", sagt Bruno Fläcklin. “Doch wir wissen aus Gästebefragungen, dass die meisten Leute gerade wegen der Naturlandschaft hierherkommen. Ein Grossteil von ihnen macht sich aber auf eigene Faust auf den Weg, das Entlebuch zu erkunden". Auf verschiedenen Themenwegen sollen diese Individualisten angesprochen werden. Das Konzept, im Biosphärenreservat Entlebuch verstärkt auf naturnahen Tourismus zu setzen, kommt insgesamt an. In den vergangenen Jahren sei es gelungen, die Zahl der Sommergäste zu steigern, bilanziert der Tourismusdirektor. Doch der naturnahe Tourismus hat seine Grenzen. 70 Prozent der Gäste kommen nach wie vor im Winter in die Region, um hier vor allem dem Skisport zu frönen. “Der Winter-Tourismus bildet auch in Zukunft unser Rückgrat. Wir können es uns deshalb nicht leisten, etwa bei der Werbung zugunsten des Sommers zurückzustecken", sagt Fläcklin.

 

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