Leben

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Die wahren Qualitäten ihres Partners entdeckt die Protagonistin auf einer Bergtour in der Geschiche "Du und ich und das Alpenglühn" von Dörte  Müller, die damit den sechsten Platz bei unserem Schreibwettbewerb "Liebe vor dem Alpenglühn" holt. Wir gratulieren.

Du und Ich und das Alpenglühn


„Marten! Wer heißt schon Marten?!“ Mit diesem Spruch ärgerte mich meine Freundin Katja jedes Mal, wenn ich sie traf. „Wieso, das ist doch ein ganz normaler Name!“, verteidigte ich meinen Freund, obwohl ich insgeheim seinen Namen auch nicht mochte. Doch leider hieß er nun einmal so und ich konnte es nicht ändern. Ich war sehr verliebt in ihn und das bereits schon über ein Jahr. Doch im letzten Sommerurlaub wurde unsere Liebe auf eine harte Probe gestellt.

Sommer 2014

Ich hatte Tränen in den Augen und Eisfüße. Ich hasste es, wenn ich Eisfüße hatte. Überhaupt hasste ich alles an diesem aller ersten Urlaub mit Marten, auf den ich mich so gefreut hatte. Es war kalt und ich fror. Meine Zähne klapperten hoffnungslos aufeinander.
Im Nachhinein war ich natürlich schlauer, aber wie hätte ich damals wissen sollen, dass diese Alpenwanderung ein wahrer Albtraum werden würde...
Vor drei Monaten hatte sich Marten aufgeregt in der Mensa zu mir gesetzt. „Mia, ich habe eine tolle Idee für unseren Sommerurlaub. Wir fahren in die Alpen und wandern. Stell dir mal vor: Du und ich und das Alpenglühen!“ Als er das so sagte und mir dabei  romantisch in die Augen schaute, war ich hin und weg. „Pflückst du mir auch ein Edelweiß?“, fragte ich aufgeregt. Statt einer Antwort bekam ich tausend kleine Küsschen. Was konnte es Schöneres geben? Aber was wusste ich damals von den Alpen? Gar nichts. Insgeheim nahm ich mir vor, am Abend das Wort Alpenglühen zu googeln, denn es sagte mir nichts. Meine Kenntnisse über die Alpen beschränkte sich darauf, dass Heidi dort sehr glücklich war und dass Klara das Laufen dort wieder gelernt hatte, nachdem Peter den Rollstuhl den Berg hinunter gestoßen hatte. Ich liebte Heidi über alles und hatte mir als Kind sehnlichst gewünscht, auch so einen schrulligen Großvater zu haben, der in einer Almhütte wohnt und den die Leute im Dorf meiden.
Eine Woche später fand ich mich in einer Globetrotterfiliale wieder und kaufte für mein mühsam erspartes Geld Wanderstiefel, Rucksack, Schlafsack und regendichte Jacke. Es tat mir weh, für all diese uncoolen Sachen so viel Geld auszugeben. Wie viele schicke Kleider oder Hosen ich mir hätte dafür kaufen können ... Ich seufzte wehmütig, als ich dem Verkäufer meine EC Karte über den Tresen schob. Marten bemerkte meinen gequälten Gesichtsausdruck.„Dies sind Investitionen, die sich wirklich lohnen!“, tröstete er mich. „Der Urlaub an sich ist superbillig, wir ernähren uns von Müsliriegeln und BiFi und trinken Wasser aus den Bächen!“ Ich sah Marten verdutzt an. „Du lachst jetzt, aber Müsliriegel schmecken in der Natur wirklich klasse!“ Das konnte ich nicht so recht glauben, aber schließlich hatte er die Erfahrung und nicht ich.
Damit hatte er Recht behalten, das war aber auch das Einzige. Ich freute mich wirklich auf diese verdammten Riegel, denn ich war oft am Ende meiner Kräfte. Wir wanderten, wanderten und wanderten. Ab und zu ging es über Geröllfelder, dann durch den Matsch und dann wieder über Geröllfelder. Um uns herum Stille, Einsamkeit und überall die Berge. Ich hatte das bedrückende Gefühl, ans Ende der Welt gereist zu sein und das Gefühl war gar nicht gut. Mein Rucksack drückte, er war unendlich schwer. Ich hasste diese Wanderung vom ersten Schritt an.
Jetzt waren wir bereits den dritten Tag unterwegs und ich hatte mir vorgenommen, nie mehr in meinem Leben zu wandern.
Marten schnarchte neben mir und drehte sich zufrieden in seinem Schlafsack um. „Es ist klar, dass du am Anfang Schwierigkeiten mit der Wanderung hast, aber es wird besser werden!  Bei meiner ersten Wanderung war das auch so!“, hatte er mir kurz vor dem Einschlafen zugeflüstert, als ich mich wieder einmal in den Schlaf heulen wollte. Doch jetzt waren die Tränen versiegt. Ich war wütend. Es war schließlich mein Sommerurlaub, ich hatte so viel für meine Prüfungen gelernt und mir die Pause redlich verdient.
„Marten, wach auf!“, zischte ich und rüttelte meinen Freund an den Schultern. „Was ist denn jetzt schon wieder?“, kam die genervte Antwort. „Ich friere in meinem Schlafsack!“, schimpfte ich. „Das kann gar nicht sein!“, antwortete er gelassen. „Dein Schlafsack geht bis minus zehn Grad und wir haben schätzungsweise null Grad!“ Jetzt rastete ich vollkommen aus. „Du kannst doch gar nicht beurteilen, ob ich friere oder nicht. Ich friere nun einmal!“ „Dann nimm unsere Jacken und lege sie dir auf deinen Schlafsack drauf. Vielleicht hilft das!“, murmelte Marten und schnarchte weiter. Ich konnte es nicht fassen. Wieso war mein liebenswürdiger Freund plötzlich zu einem knallharten Reinhold Messner Typen mutiert? Das Jackendrauflegen half natürlich überhaupt nicht. Erst mal rutschten die Jacken dauernd herunter und kalt war mir immer noch. Irgendwann musste ich dann wohl doch eingeschlafen sein. Ich träumte, dass ich am Nordpol wäre und in eine Gletscherspalte gefallen wäre. Ein Expeditionsteam holte mich mit Seilen heraus und dann blickte ich in das besorgte Gesicht von Ranga Yogishwa, der seinen Zuschauern erklärte: „Diese Frau hat tatsächlich drei Wochen im Eis überlebt ...!“
Am nächsten Morgen wurde ich wachgerüttelt. „Mia, Mia, wach auf und sieh dir das an: Alpenglühen!“ Verschlafen krabbelte ich aus dem Zelt: Tatsächlich, die Berge waren in ein glühendes Rot getaucht. Unten aus dem Tal stieg der Nebel empor, es war einzigartig.
„Ist das nicht toll?“, rief Marten aufgeregt und machte unzählige Fotos. Irgendwo über uns kreiste ein Greifvogel, ansonsten war es still. „Na, habe ich zu viel versprochen?“, fragte er schließlich. „Es ist wirklich beeindruckend!“, musste ich zugeben. Eng aneinandergekuschelt sahen wir noch eine Weile dem Naturschauspiel zu. Doch dann hieß es schon wieder: Zeltabbauen und packen.
Das Gute an diesem Urlaub war, dass man sich nicht den Kopf zerbrechen musste mit quälenden Fragen: Was machen wir heute? Was machen wir morgen? Was schauen wir uns an? Wie wird das Wetter? Was ziehen wir an? Bei uns hieß es immer nur WANDERN und wir zogen immer dieselben Sachen an. Superparktisch, oder?
Aber es gab auch highlights. Marten hatte in seinem Reiseführer gelesen, dass wir heute über eine Hängebrücke gehen mussten. „Das wird bestimmt ganz toll, ist mit vier Sternen ausgezeichnet!“, erzählte er mir begeistert. Ich stopfte unterdessen einen Müsliriegel in mich hinein und schlang ihn gierig hinunter. Dann spürte ich einen kurzen Schmerz und etwas Hartes in meinem Mund. Schrecksekunde! Ich tastete mit der Zunge meine Zähne ab und entdeckte ein riesiges Loch irgendwo auf der linken Seite. Dann spuckte ich die Plombe aus, an der einige Stücke des Müsliriegels klebten. Sie versickerte in einem kleinen Loch im Matsch. „Ich habe eine Plombe verloren!“, jammerte ich wie ein kleines Kind. „Macht nichts, hier ist sowieso kein Zahnarzt. Das Tolle ist, dass du auch dieses Problem gleich vergessen wirst, wenn wir auf der Brücke sind! Hier in der Natur nimmst du das Leben aus einer vollkommen anderen Perspektive wahr. Unsere normalen Alltagssorgen sind plötzlich unwichtig und klein!“, rief Marten fröhlich und fing an „Über den Wolken“ von Reinhard May leise vor sich hinzuträllern. Spätestens jetzt wollte ich ihn umbringen. Ich spielte ernsthaft mit dem Gedanken, ihn von dieser dämlichen Brücke zu schubsen. Gleichzeitig bekam ich Angst, dass ich zu solchen Gefühlen überhaupt fähig war. War ich ein Monster? Ich zwang mich an das Alpenglühen zu denken und die guten Gefühle wiederzubekommen, doch es gelang mir nicht. Meine Hände waren eisig. An Handschuhe hatten wir nicht gedacht.
Endlich waren alle Sachen verstaut, das Zelt war abgebaut und es ging los. Beim Wandern trotte ich wie ein Esel hinter ihm her und versuchte an schöne Dinge zu denken. Aber es gelang mir meistens nicht.
Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte ich Marten plötzlich rufen: „Oh, Scheiße!“ Mein Herzschlag beschleunigte sich. Ich wusste, wenn er fluchte, war wirklich etwas ganz Schlimmes passiert. Marten fluchte eigentlich so gut wie nie und nichts konnte ihn aus der Ruhe bringen. Doch was konnte das sein, was ihn so aus der Fassung brachte? Da sah ich auch schon, was er meinte. Vor uns lag der malerische See. Aber wo war die Hängebrücke, die im Reiseführer vier Sterne bekommen hatte? Sie bestand nur noch aus ein paar Latten, die traurig auf dem Wasser schwammen. Es sah so aus, als wäre hier vor kurzer Zeit ein Wirbelsturm durchgefegt.  
„Die Brücke ist kaputt!“, bemerkte Marten fachmännisch. „Aber das ist nicht weiter schlimm, ich habe im Reiseführer gelesen, dass der See nicht so tief sein soll. Wir können durchwaten!“ „Spinnst du?“, schrie ich ihn an. „Ich soll durch dieses kalte Wasser?“ „Ansonsten müssten wir den ganzen Weg zurück und wir haben nicht mehr genug Proviant!“, gab Marten zu bedenken. „Und Klopapier haben wir auch nicht genug!“, fügte er hinzu. „Das könnte unangenehm werden!“ Wir schwiegen uns einige Sekunden an. Ich war einfach fassungslos. „Ich kenne mich mit Pilzen und Pflanzen nicht so gut aus und Angeln kommt für mich auch nicht in Frage! Wir müssen hier durch, es gibt keine Alternative. Außerdem ist nicht weit von hier eine Waffelhütte. Wir durchqueren also den See, laufen dann nur noch ein kleines Stück und kehren dann ein. Stell dir vor, Mia, eine warme Hütte, in der wir übernachten können!“
„Und wenn die Hütte auch nicht mehr existiert? Wie alt ist eigentlich dein Reiseführer? Außerdem kann ich doch nicht durch dieses Eiswasser waten! Ich fange mir sofort eine Blasenentzündung ein! Du weißt doch, wie oft im Jahr ich eine Blasenentzündung habe. Ich kriege schon eine, wenn ich kalte Füße habe oder auf einer Bank sitze!“, schluchzte ich, obwohl ich bei dem Gedanken an eine Hütte schon Glücksgefühle in mir aufsteigen fühlte. Und dann auch noch Waffeln ...!
„Hier in der Natur wird man nicht krank, du wirst es sehen! Vielleicht bist du dann deine Blasenentzündung für immer los, weil du deine Abwehrkräfte gestärkt hast!“, belehrte mich Marten und fing an, mutig auf den See zuzugehen. Seinen Rucksack trug er auf dem Kopf und hielt ihn mit beiden Händen fest. „He, Marten, kannst du mich nicht über den See tragen?“, kam mir plötzlich die Idee. Marten reagierte nicht auf meinen Vorschlag. „Oder du baust ein Floß? Du warst doch bei den Pfadfindern!“ Ich hatte immer mehr Ideen, doch Marten schritt langsam weiter. Jetzt hatte er schon seine Stiefel ins Wasser getaucht. Er marschierte immer weiter, ohne sich umzusehen. Ich blieb ungläubig am Ufer stehen und beobachtete ihn, wie er tapfer und ohne mit der Wimper zu zucken, langsam durch den See hindurchschritt. Das Wasser reichte ihm inzwischen bis zum Bauchnabel. Es musste die Hölle sein. Doch er hatte es tatsächlich nach geraumer Zeit irgendwie geschafft. Er stand am anderen Ufer und winkte mir zu.
„Jetzt du!“, rief er fröhlich. Ich blieb wie betäubt am Ufer stehen und starrte hinüber. Ich fühlte mich wie damals in der zweiten Klasse, als ich vom Dreimeterbrett springen sollte und die Lehrerin „Jetzt du!“, gerufen hatte. Auch da war ich nicht gesprungen. Ich war die Leiter wieder heruntergeklettert und die Klasse hatte gelacht. Ich war die Einzige gewesen, die es nicht geschafft hatte. Oft hatte ich von dieser schrecklichen Situation geträumt. Immer und immer wieder waren die Bilder in meinem Kopf aufgestiegen. „Jetzt du! Jetzt du!“ Nein, jetzt nicht ich! Nein, ich schaffe das nicht! Tränen schossen mir in die Augen. Mein Magen krampfte sich zusammen. Marten zog sich inzwischen trockene Sachen an und schien mich vergessen zu haben. Was sollte ich tun?
Plötzlich hörte ich Stimmen hinter mir. Zwei andere Wanderer näherten sich dem See. Ein Mann und eine Frau. „Oh shit!“, rief die Frau aus. „The bridge is broken. But … who cares!” Die Frau lächelte mich an, zog ihre schweren Wanderstiefel aus und machte sich auf den Weg. „Come on, Chris, it isn`t so bad!”, forderte sie ihren Freund auf. Doch der stand wie angewurzelt am Ufer und schaute skeptisch hinter ihr her. „I really hate you!”, flüsterte er. Seine anfänglich rosa Gesichtsfarbe war ins Weißliche übergegangen. Seine Unterlippe zitterte. Schweißtropfen standen auf seiner Stirn. Er sah sich um. Dann fiel ihm auf, dass ich ebenfalls nicht durch das Wasser waten wollte. Marten schrie sich inzwischen die Seele aus dem Leib. „Nun komm doch endlich, Mia! Die andere Frau schafft es doch auch!“ Tatsächlich: Die andere Frau lief fröhlich durch den See und rief nur ab und zu: “It`s cold! It`s cold! But I can do it, yeah!”
Wie ich diese Typen hasste, die immer gleich alles schafften und damit noch herumprotzen mussten! I can do it, yeah! Oder war ich einfach nur neidisch, dass sie die Gewinner im Leben waren?   
Chris und ich sahen uns an. Wir standen eindeutig auf der Verliererseite. Die Zwei, die es nicht schafften. Es war ein gutes Gefühl, dass ich nicht mehr die Einzige war. Wir zwinkerten uns zu und fingen dann an zu lächeln. Schließlich mussten wir lachen. Wir konnten gar nicht mehr aufhören zu lachen und wurden richtig hysterisch. Unsere Partner winkten und riefen. Marten war lauter als die Frau.„Wo bleibt ihr denn? Nun kommt schon!“
Jetzt drehten Chris und ich vollkommen auf. Wir kehrten dem See den Rücken zu und liefen so schnell wir konnten davon. Chris nahm spontan meine Hand und wie ein verliebtes Pärchen rannten wir in den siebten Himmel. Ich spürte förmlich die überraschten Blicke von Marten und der anderen Frau. Sie glotzten bestimmt hinter uns her! Das geschah ihnen recht!
Nach kurzer Zeit wurde uns leider klar, dass wir zwar einen tollen Abgang hingelegt hatten, uns dafür aber jetzt in einer echten Notlage befanden.
„Es ist alles nicht mehr so witzig, oder?“, sagte ich, als wir außer Sichtweite waren und setzte mich auf einen Baumstamm, um zu verschnaufen. Chris sprach ganz gut Deutsch und war mir sehr sympathisch. „Nein, ganz und gar nicht. Ich habe so gut wie nichts mehr zu essen dabei, weil Megan mir eine Waffelhütte versprochen hat. Und ich habe auch keine Karte und keinen Kompass. Außerdem hat sie das Zelt ...!“
„Mein Freund hat ebenfalls das Zelt und die Karten und das Essen. Ich hasse das alles!“, seufzte ich und fing an zu heulen. Chris schluchzte ebenfalls. „Ich will zurück nach Bristol! Ich habe Blasen an den Füßen, ich kann keinen Schritt mehr gehen! Ich habe Hunger!“ Es stellte sich heraus, dass Chris noch ein viel größerer Jammerlappen war als ich. Er fing an zu heulen und schluchzen und es sah so aus, als wollte er gar nicht mehr weitergehen. Ich fand ihn plötzlich gar nicht mehr so toll wie am Anfang. Wieso übernahm er einfach so meine Rolle? Ich war doch hier diejenige, die beschützt werden musste! Irgendetwas war schief gelaufen.
„Und was machen wir jetzt?“, fragte ich nervös. „Vielleicht gehen wir doch zurück und gucken, ob unsere Leute noch da sind?“ „Ich gehe keinen Schritt mehr!“, jammerte Chris. Er hatte inzwischen seine Wanderstiefel ausgezogen und begutachtete seine dicke Blase am großen Zeh. Die Blase sah richtig eklig aus und seine durchgeweichten Socken stanken erbärmlich. „Oh Gott, oh, Gott, was mache ich mit dieser entzündeten Blase ... wenn ich eine Blutvergiftung kriege! Stirbt man dann sofort? Muss dann der Zeh amputiert werden?“ Ich zuckte mit den Achseln. Dieser Typ war total durchgeknallt. Ich hatte viel schlimmere Blasen und jammerte nicht so herum. „Ich bleibe hier, bis ein Helikopter mich abholt!“ , sagte er schließlich, nachdem er sich ausgeweint hatte. „Und wer soll diesen Helikopter benachrichtigen?“, fragte ich streng, obwohl mir diese Idee auch gefallen würde und ich merkte, wie mein Herz schneller schlug. „Keine Ahnung! Kannst du das arrangieren?“, jammerte Chris. „Wie denn?“, platzte es aus mir heraus. „Mit Rauchzeichen? Jetzt mach mal einen besseren Vorschlag!“
Schließlich hielt ich das Gejammer nicht mehr aus. Ich packte Chris an den Händen und zog ihn hoch. „Wir wandern jetzt zum See zurück und waten da durch, egal wie kalt das ist!“, kommandierte ich. So kannte ich mich gar nicht! Plötzlich mutierte ich zum Marten. Aber ich hatte keine andere Wahl. „Du bist wie Megan! Sie bestimmt auch immer!“, jammerte Chris und fing wieder an zu heulen. „Meine Blase! Meine Blase tut so weh!“
Wir kamen nur sehr langsam voran. Ich lief vorne weg und Chris humpelte wie ein alter Mann hinter mir her. Wie das nervte!  
Endlich lag der See wieder vor uns. Megan und Marten waren nicht mehr da. Waren sie schon bei der Waffelhütte? Ich schluckte. Hoffentlich hatte sich Marten nicht in die tapfere Outdoorfrau verliebt. Aber ich beschloss, ganz ruhig zu bleiben und tief durchzuatmen. „Ein Problem nach dem anderen!“, sagte ich mir innerlich. Dann überlegte ich gar nicht mehr lange und setzte meinen Fuß in das eiskalte Wasser. Alles war besser, als noch eine Minute mit diesem Weichei auszuhalten. Chris rief mir hinterher. „Ich schaffe das nicht! Das Wasser ist mir zu kalt! Ich kriege bestimmt eine Nierenbeckenentzündung!“ „Dann bleib, wo du bist und warte auf deinen Helikopter!“, rief ich gelassen aus. Ich war schließlich nicht für ihn verantwortlich. „Kannst du einen rufen, wenn du in der Waffelhütte bist?“ , hörte ich ihn verzweifelt rufen. Es war unglaublich. Plötzlich war ich die Starke! Ich war eine Macherin! Das kalte Wasser nahm mir den Atem. Doch ich hatte keine andere Wahl. Schritt für Schritt machte ich meinen Weg. Ich konnte bis auf den Grund sehen, so klar war das Wasser. Kleine Kieselsteine schimmerten im Wasser, ein Sonnenstrahl zauberte ein schönes Glitzern. Über mir kreiste ein großer Greifvogel. Unendliche Stille. Endlich hatte ich es geschafft und fühlte mich unglaublich stolz. Ich hatte einen eiskalten See durchquert! Ganz weit in der Ferne sah ich, dass Chris es ebenfalls versuchte.
Nachdem ich mich umgezogen hatte, fühlte ich mich noch besser. Ich holte einen Müsliriegel aus dem Rucksack und ließ es mir schmecken. Da fiel mir plötzlich wieder auf, dass ich eine Plombe verloren hatte. Marten hatte recht gehabt. Das hatte ich total vergessen. Ich musste lächeln und dachte daran, dass mich nur noch wenige Schritte von der Waffelhütte trennten und von ihm.

 

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