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Dem Alpinen Museum der Schweiz in Bern droht das finanzielle Aus. Mitte Juli 2017 beschloss das Bundesamt für Kultur (BAK) die Subventionen um mehr als 75% zu kürzen. Die umgehend lancierte Kampagne „Pro Alps“ zeigt die breite Unterstützung quer durch die Gesellschaft im In- wie auch Ausland.

Seit Beginn der Kampagne am 29. August 2017 sind knapp 10.000 Stimmen zusammen gekommen, die für eine Finanzierung durch den Bund wie seither votieren. Neben Besuchern, kommt Unterstützung von der hiesigen Presse wie „NZZ“, „Berner Zeitung“, und weiterer Regionalzeitungen. Unmut gegen das Advokatentum regt sich auch beim Wiener „Standard“ und der deutschen „ Zeit“. Weiter sind es Vertreter alpiner Institutionen wie der Cipra, Quartiersvereine und Museumsverbände, die das Wort erheben. Fürsprecher gibt es auch in der Politik, unter anderem durch den Bündner CVP-Ständerat Stefan Engler, nicht zuletzt bricht der Vorsteher des Amtes für Kultur, Hans Ulrich Glarner, eine Lanze für das Haus. Es sei ein „Creative Hub“ in der Museumsszene, überall würde solche innovativen Projekte in den Unternehmen gefördert, auf Bundesebene sollten Sie nun also das Nachsehen haben?

Förderpolitik als reines Rechenexempel
Seit mehr als 80 Jahren trägt der Bund etwas mehr als ein Drittel der Subventionen des Hauses, ist gar ein Mitstifter der Institution. Wie kommt es zu dieser radikalen Kursänderung? Michael Fässler, verantwortlich für Projektentwicklung im Haus, spricht von einer veränderten Museumsförderpolitik seit diesem Jahr. Zum ersten Mal mussten sich sämtliche Museen in einer Ausschreibung für die Unterstützung aktiv bewerben. „Die drei ausschlaggebenden Kriterien lauteten in Kürze: Gesamtschweizerische Ausstrahlung, bedeutende Sammlung und innovative Vermittlungsarbeit. Aufgrund einer neuen Berechnungsmethode erhielten unterstützungswürdige Museen, zu denen wir weiterhin gehören, allerdings neu nur noch 100‘000 Franken pro Jahr plus 5% oder 7% des Budgets, je nachdem ob das jeweilige Museum vom Bund und einer beigezogenen Expertengruppe als gut oder sehr gut beurteilt wurden“, so Fässler. Dadurch kommt man beim Alpinen Museum auf einen Gesamtbetrag von neu 250‘000 Franken pro Jahr statt wie bisher 1.02 Mio. Die neue Rechenformel trifft das Haus besonders hart, weil es über ein vergleichsweise kleines Jahresbudget von 3.2 Mio. Franken verfüge, davon kamen bisher ein Drittel Bundessubventionen.

 

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"Der Wolf ist da - eine Menschenausstellung" thematisierte eine der vielen Beziehungen zwischen Menschen und Bergen. Bild: Alpines Museum der Schweiz.

 

Bergperspektive unverzichtbar
Es ist nur zu offensichtlich, dass angesichts der Rotstiftpolitik die gesamtschweizerisch wegweisende Bedeutung des Hauses, die der Bund ja selbst erkennt und bisher entsprechend gefördert hat, unter den Tisch fällt. Das Haus nimmt in der Schweizer Museumslandschaft eine Sonderstellung ein: es setzt sich hauptsächlich mit Bergthemen auseinander, genauer der vielfältigen Beziehungen zwischen Menschen und Bergen. Ihren Ausdruck finden sie in ökologischer, wirtschaftlicher, wissenschaftlicher, wie kultureller Hinsicht und nicht zuletzt im politischen Alltag. „Genau diese Bergperspektive ist enorm wichtig, wenn wir in der Schweiz über die grossen Herausforderungen von heute und morgen diskutieren, sagt Projektentwickler Fässler. Anschaulich wird das in den aktuellen Ausstellungen dieses Jahres. „Wasser unser“ etwa geht der Frage nach wie sich der Klimawandel auf den alpinen Raum auswirkt und damit auch auf die touristischen Nutzungsmöglichkeiten. Die Ausstellung „Der Wolf ist da – eine Menschenausstellung“ thematisierte, ob es in der heutigen Schweizer Gesellschaft Platz gibt für das Zusammenleben mit einem wilden Tier.

 

„Arbeiter beim Schneeräumen an der Grimselpassstrasse 1936" Nicht nur die historische Perspektive ist Teil der Museumsarbeit. Bild: Alpines Museum der Schweiz

 

Den Alpen eine Stimme geben
Die Leidenschaft des Teams für die Museumsarbeit liegt auf der Hand. Binnen kürzester Zeit formierte sich ein Unterstützungskomitee, lag ein Aktionsplan auf. „Die Stimmen haben einen symbolischen Charakter, politisch oder juristisch sind sie nicht verbindlich“, sagt Fässler. Es gehe darum, die Verankerung des Hauses in der Gesellschaft zu dokumentieren. Öffentliche Bühnen für die Rettungsaktion werden gesucht. Konkret ist Mitte Dezember ein Solidaritätsdinner mit dem Titel „Es geht um die Wurst!“ geplant. Verschiedene Würste aus dem Alpenbogen sollen auf lustvolle Art und Weise auf die prekäre Situation aufmerksam machen.
Alle Anstrengung und alles Hoffen richten sich zum Bund hin. Eine Kurskorrektur der Museumspolitik wird gefordert, die Finanzierung im bisherigen Umfang sicherzustellen. Die Alpen sind so etwas wie ein Dreh- und Angelpunkt der Schweizer Gesellschaft, im Bewusstsein aber leider oft verdrängt, in der Tagespresse seltenes Randthema. Deshalb braucht es Leuchtturmprojekte wie das Alpine Museum der Schweiz. Dass es bluten oder gar ausbluten soll, angesichts einer neuen Förderpolitik ist absurd und verlangt eine umgehende Kurskorrektur.

Link zur Rettungsaktion

 

 

 

 

 

 

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