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Die italienische Resistenza hat im Gebirge des Piemont Spuren hinterlassen. Sie zu lesen, ist nicht so einfach. Ein etwas anderes Wanderbuch führt zu den Orten des Widerstands. 

 

 

Was hat ein Eisenkreuz zum Gedenken an die Naziopfer auf einer wildromantischen Hochebene im Piemont zu suchen? Das fragten sich vor nunmehr 20 Jahren die beiden Konstanzer Autoren Sabine Bade und Wolfram Mikuteit. Damals wie heutzutage ist über den italienischen Befreiungskampf im deutschen Sprachraum wenig publiziert. Die Spurensuche begann.

 

Rekonstruktion der Partsianenpfade

In Privatbibliotheken, Archiven und Zeitzeugengesprächen sammelten die Piemontgänger Wissenswertes rund um die Partisanenbewegung zwischen 1943 und 1945 und rekonstruierten deren Pfade. Inzwischen sind Bade und Mikuteit nicht nur erfahrene Reisebuchautoren mit dem Schwerpunkt Westalpen, sondern auch bestens mit dem Thema Widerstand im Piemont „vertraut“. Herausgekommen ist bei ihrer Recherche das soeben aufgelegte Wanderlesebuch „Partisanenpfade im Piemont“. 23 Touren führen durch die Alpentäler, die sich westlich der Barockstadt Turin bis zum Alpenhauptkamm hinziehen. Deren Schwierigskeitsgrade reichen vom Stadtspaziergang bis zur Hochtour. Sie sind so gestrickt, dass neben den historischen Schauplätzen auch die Schönheiten der Natur entdeckt werden können.

 

Aus intellektuellem Widerstand wird Befreiungskampf

Es geht über Stock und Stein, auch durch ausgewiesene Wanderwegen in National- oder Naturparkgebiete – zwischen Gran Paradiso im Norden und dem Monviso im Süden. An alle klassischen Angaben eines Wanderführers, sprich Wegzeiten, Höhenmeter, Tipps zum  guten Einkehren & Übernachten ist gedacht.  Die Kartenausschitte sind sehr klein, aber zur Übersicht ausreichend. So wird der neugierige Wanderer die teils verborgenen Plätze des Befreiungskampfes kaum verfehlen. Alle Wege sind GPS kartiert. Dazu den jeweiligen Wegverlauf aufs eigene Gerät herunterladen. Wers gemütlicher mag, kann sich auch vom Sofa aus auf Spurensuche begeben. Denn es liest sich leicht, wie im Turiner Verlag Einaudi der intellektuelle Widerstand gegen die faschistische Zensur aufkeimte, allmählich Bürger verschiedener politischer Lager erfasste und schliesslich – allerdings erst im Zuge der deutschen Besetzung – in einen bewaffneten Befreiungskampf mündete.

 

Wanderbuch für Geschichtshungrige

Um die Geschichte ranken sich Geschichten: Leseausflüge, manchmal bitter, wie jene über den deutschen Generalfeldmarschall Albert Kesselring und seinen Mythos vom „sauberen Krieg an der Südfront“. Erhellend dagegen die Lichtfigur der Ada Gobetti, Witwe des Piero Gobetti, junger Märtyrer im italienischen Antifaschismus. Seine Gattin hat den Kampf im Piemont beherzt und geschickt geprägt. Die Herstellung einer Untergrundzeitung und die zu Krankenstationen umfunktionierten Villen künden von Mut und Erfindungsreichtum in grosser Not. Farbige Bilder und historische Abbildungen illustrieren die Geschehnisse anschaulich. Mit dem Wanderlesebuch liegt im 2008 gegründeten Konstanzer Verlag Querwege das zweite Buch vor.

 

Öfter mal quer gehen

Vom Verlagsleiter Jürgen Weber erschien bereits „Einmal Partisan-immer Partisan“, in dem Zeitzeugen aus dem Piemont zu Wort kommen. Es soll aber nicht bei den Partisanen bleiben. Die beiden Verleger Katrin Brüggemann und Jürgen Weber möchten mit ihren Druckwerken ermuntern, quere Wege zu gehen, wie der Name schon sagt. Die Idee ist es, historische Informationen einer Region ans Licht zu bringen. Das Konzept erinnert an die im Zürcher Rotpunkt Verlag erscheinende Wanderführer-Reihe. Brüggemann und Weber betonen, dass sie mit ihrer Edition entsprechende Publikationslücken schliessen möchten. Schnellschüsse sind also nicht zu erwarten. Im Schnitt brauche ein guter Wurf eineinhalb Jahre. Nicht zuletzt drehen die beiden Verleger von Didactmedia schwerpunktmässig Unterrichtsfilme.

 

Sabine Bade/Wolfram Mikuteit, Partisanenpfade im Piemont. Wege und Orte des Widerstandes zwischen Gran Paradiso und Monviso. Konstanz, 2012.

Das Buch
Sabine Bade/Wolfram Mikutei:

Partisanenpfade im Piemont. Wege und Orte des Widerstands zwischen Gran Paradiso und Monviso. Querwege Verlag Konstanz 2012.



ISBN  978-3-941585-05-8
 Euro 19,90 | CHF 19,90

 

Die Autoren
Sabine Bade und Wolfram Mikuteit leben als freie Autoren in Konstanz am Bodensee. Sie sind Verfasser von Wanderführern (Michael Müller Verlag, Fernwege Verlag) und Texten zu Anthologien, die schwerpunktmäßig die italienisch-französische Westalpen-Region zwischen Genfer See und Mittelmeer zum Thema haben.

 

 

 

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