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Sie sind Dagebliebene, Rückkehrer und Zuwanderer. Was sie eint, ist ihr Bekenntnis, im Valle Maira zu bleiben. Das piemontesische Tal übt eine besondere Anziehungskraft aus. Den deutschen Fotografen Jörg Waste trieb die Frage um, warum Menschen sich für ein Leben in einem abgelegenen, schwer zugänglichen Gebirgstal in der Provinz Cunio im Piemont entscheiden. Er nähert sich ihnen in sensiblen Schwarz-Weiss-Porträts. 

 

 

Die Natur diktiert 

Da ist der Künstler Sergio Savio, der die Langeweile des Berglebens als eine Form der Meditation schätzt, aber auch Ihre Härte nicht verleugnet. Die Natur diktiert die Bedingungen dieser Daseinsform gestern wie heute. Auch der Bergführer und Campingplatzbesitzer Nino Perino meint, man müsse lernen, alle Arbeiten im Einklang mit Wetter und Jahreszeit zu erledigen. Dies klingt so entbehrungsreich wie poetisch aus der Feder des Ziegenhirten und Käsers Jors del Puy. „Sommer heisst Arbeit, immer nur Arbeit! Rotes und gelbes Laub, Kastanien im Herbst, im Winter ein Feuer im Ofen des Hauses und das schwarze Pferd draussen im Schnee. Nachts sind die Sterne ganz nah“. In nur knappen Sätzen kommen die Porträtierten zu Wort. Und deren Geschichten unterstreichen das wiederkehrende Bildmotiv: Die Arbeit der Einzelnen für die gemeinsame Sache: das Land bewahren.

 

Der Mensch fügt sich 

Doch Wastes fotografische Dokumentation ist keine rückwärtsgewandte, nostalgisch verklärende. Er vermittelt die selbstbewusste Entscheidung der Bewohner zu einem traditionellen Leben mit wenig Komfort im Hochgebirge. Deren Blick für die modernen Verrücktheiten ist umso schärfer. „Heute ist es gefährlicher, traditionellen Maira-Käse herzustellen, als auf der Piazza Drogen zu verkaufen“, meint etwa Giorgio Alifredi, ein Talbewohner und Mitautor des Buches. Der Fotograf begleitet die Menschen bei Ihrer Arbeit: Beim Bemalen eines Holztellers, bei der Kartoffelernte, beim Musizieren... Es sind Aufnahmen, die Ewigkeit in sich bergen. Eine Mutter, die ihr Kind herzt, eine Bäuerin beim Einpflanzen Ihrer Setzlinge, ein Hüttenwirt bei der Herstellung seiner Pasta. Und immer wieder die Landschaft: bei Nebel und Schnee, im Frühjahr mit blühenden Bergwiesen und im gleissenden Sommerlicht. Michele Pellegrinos Fotografien dokumentieren den Verfall angesichts der entsiedelten Alpentäler Ende des 20 Jahrhunderts. In Wastes Aufnahmen herrschen Aufbruch und Tatendrang.

 

Verbundenheit als Geschenk 

Das Tal ist ein Sonderfall. Zwar hatte das Maira, wie viele Täler der Südwestalpen im vergangenen Jahrhundert, mehr als 80 Prozent seiner Bevölkerung verloren. Doch erlebte es eine besondere kulturelle Wiederbelebung wie Kulturgeograph Werner Bätzing in seinem Vorwort erläutert. Auch die Zuwanderer spielen dabei eine Rolle. „Dieses Land hat mir etwas gegeben, woran ich glauben kann, sagt die mit Mann und Kindern zugezogene Psychologin Sissi Menardo. Sie nährt, wie viele von ihnen, die Verbundenheit mit der Natur. Der Betrachter fühlt, dass in dieser reduzierten, auch demütigen Daseinsform etwas unvergleichlich Kostbares liegt.

 

 

Das Buch
Jörg Waste/Giorgio Alifredi:

Rimango in Valle Maira. Ich bleibe im Valle Maira.

Lebensperspektiven in einem rauen Land. Bildband, 156 Seiten, gebunden, rotpunktverlag, Zürich.
ISBN 978-3-85869-647-2
Euro 29,90 | CHF 33,--

 

Die Autoren
Der deutsche Fotograf Jörg Waste besuchte das Tal in den Südwestalpen viele Male und erstellte zusammen mit dem Talbewohner Giorgio Alifredi diesen Fotobildband.

 

 

 

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