Wasserkraft

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Der Bodensee ist das grösste Lebensmittellager Europas. Sein Wasser ernährt Millionen von Menschen. Dabei ist es so sauber, dass es praktisch nicht behandelt werden muss.

«Das Prinzip aller Dinge ist Wasser; aus Wasser ist alles, und in Wasser kehrt alles zurück.»
Thales, griechischer Philosoph

 

Kälte und Dunkelheit. Und in der Mitte liegt der Quellbehälter. Er fasst 40'000 Kubikmeter Wasser, ist im Besitz der Bodensee-Wasserversorgung und liegt auf dem Sipplinger Berg hinter Überlingen am nördlichen Ufer des Bodensees. Hier auf über 700 Meter Höhe wird das aus 60 Meter Wassertiefe und fünf Grad kalte, hochgepumpte Wasser gereinigt und transportfähig gemacht. Über vier Millionen Menschen in 320 Städten und Gemeinden bis über die süddeutsche Metropole Stuttgart hinaus beziehen das Qualitätswasser aus dem Schwäbischen Meer. Damit ist die Bodensee-Wasserversorgung der grösste Zweckverband seiner Art in der Bundesrepublik. Über 120 Millionen Kubikmeter werden ihm jährlich entnommen. Das entspricht gerade mal drei Prozent des Volumens des viel kleineren Zürichsees Um das Wasser ans Ziel zu bringen, stehen 1'700 Kilometer grosse Hochdruckleitungen zur Verfügung. Die mächtigsten Gussleitungen haben einen Durchmesser von 2.25 Meter. Bevor das Wasser auf die Reise geht, durchfliesst es das so genannte Quellbecken. In dieses Becken mit einem Durchmesser von 14 Metern und drei Metern Tiefe stossen 1'000 Litern in der Sekunde hinein. In dem Wasserspeicher muss das Licht gelöscht sein, um Algenbildung zu verhindern. Die Decke wird von unzähligen Säulen getragen. Das Bild erinnert an die berühmten Kavernen des einstigen Konstantinopel.
Mit zwei Druckleitungen wird das Wasser aus dem Seepumpwerk auf den Sipplinger Berg in die 15 Hektar grosse Anlage gepumpt. Wer in Sipplingen ein grossartiges Wasserschloss erwartet hätte, ist sicherlich enttäuscht. Es ist eine eigene, fast menschenleere Welt hier oben. Alles wird mit Videokameras überwacht. Die Zentrale ist mit unzähligen Monitoren ausgestattet. Trinkwasser ist sensibel und der Zugang dazu schwierig. Von einer Kaserne, die sich in der Nähe befindet, würden Soldaten bei einem Anschlag zur Verteidigung beigezogen. Natürlich stellen vor allem die Tausenden von Motorschiffen und der zunehmende Luftverkehr eine latente Gefahr für das Trinkwasser dar. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde dies beim Flugzeugabsturz in der Nähe bei Überlingen im Jahr 2012 bewusst.

 

Sicherheit fürs Trinkwasser


Die wichtigsten Grenzgewässer der Schweiz sind der Boden- und der Genfersee sowie die Tessiner Seen. Wegen der Wichtigkeit des Bodensees als Trinkwasserreservoir zeichnen sich die Bodenseevorschriften durch strenge Umweltschutzbestimmungen aus. Auf dem Genfersee setzten die französischen Behörden sehr hohe Anforderungen an die Sicherheit durch. Am Bodensee ist die Internationale Bodenseekonferenz (IBK) zuständig. Eines ihrer wichtigsten Themen ist die Sicherung und die Sicherheit des Trinkwassers. Damit es weiterhin von den 17 Entnahmestellen rund um den See hochgepumpt werden kann. Die grösste dieser Wasserpumpstationen steht in Sipplingen. 180 Angestellte arbeiten dort. Davon sind einige für die regelmässige Qualitätskontrolle im Labor zuständig. Eigentlich ist das Trinkwasser über alle Zweifel erhaben, aber das Seepumpwerk hat eine Achillesferse. Obwohl die Pumpstation im Landschaftsschutzgebiet liegt und es Motorbooten verboten ist, sich dem Uferstreifen zu nähern, gibt es einen potentiellen Gefahrenherd. Direkt am Ufer entlang führt die alte B31, die noch immer viel Verkehr aufnimmt. Ausserdem besteht durch einen unstabilen Hang ständige Rutschgefahr. 2005 versenkte ein Bauer zwei Fünfliter-Kanister eines Pflanzenschutzmittels in der Nähe von Sipplingen im See. Der Mann übte mit seiner Tat eine Art Selbstjustiz, weil er sich von den Behörden ungerecht behandelt fühlte. Doch seine zehn Liter Pflanzengift wären im See derart verdünnt worden, dass man die Substanzen bald kaum mehr hätte nachweisen können. Von der Wasserentnahmestelle, einem 10 Meter hohen Turm in 60 Meter Tiefe, fliesst das Wasser in drei Röhren zum Seepumpwerk Süssenmühle. Von dort transportieren es vier Pumpen mit einer Leistungsfähigkeit von 2'000 Litern in der Sekunde und zwei Pumpen mit einer Leistungsfähigkeit von 3'000 Litern in der Sekunde auf den über 700 Meter hohen Sipplinger Berg. Vom Quellbecken weg fliesst das Wasser durch zwölf reinigende Mikrosiebe, bevor es anschliessend ozoniert, das heisst mit hochaktivem Sauerstoff entkeimt wird. Nach einem Aufenthalt im Zwischenbehälter durchfliesst das Wasser eine Sandschnellfilteranlage. Im Reinwasserbehälter wartet es anschliessend auf seinen langen Transport nach Norden. Bevor es soweit ist, bekommt es eine geringe Menge Chlor beigefügt, um Keimbildungen unterwegs zu verhindern. Denn bis das Wasser im Rhein-Main-Gebiet angekommen ist, kann es bis zu sieben Tage dauern.

 

Sicherheit ist in Sipplingen gross geschrieben. (Bild BWV)

Auch wenn die Dimension der entnommenen Wassermenge eindrücklich ist, macht sie doch nur einen verschwindenden Bruchteil des Bodenseewassers aus. Man könnte sie kaum vom Pegelanzeiger ablesen. Der See besitzt eine Oberfläche von 539 Quadratkilometern. Die grösste Tiefe beträgt 252 Meter und der Seeinhalt 50 Kubikkilometer; das ist in Kubikmetern eine Zahl mit 10 Nullen.
Sowohl bezüglich der Wasserhärte als auch des pH-Wertes kann das Bodenseewasser als ideal ausgewogen bezeichnet werden. So steht es zumindest auf einem Informationsblatt der Bodensee-Wasserversorgung. Auch bei Nitraten und anderen ungünstigen Verbindungen liegt das Wasser weit unter den Grenzwerten.


St. Gallens Pionierrolle vor fast 100 Jahren
1895 gab die Stadt St. Gallen den Startschuss zur Nutzung des Trinkwassers im Bodensee. Sie weihte eine Pumpleitung von Rorschach nach St. Gallen ein, die die Gallusstadt mit Trinkwasser versorgen sollte. Inzwischen sind auf der Schweizer Seite Seewasserwerke in Thal, Rorschach, Arbon, Frasnacht, Romanshorn, Kesswil, Kreuzlingen und Steckborn in Betrieb. Gemeinsam entnehmen alle Seewasserwerke am Bodensee eine Menge, die dem Zufluss des Alpenrheins in 30 Minuten entspricht. Auf die Schweiz entfallen 13 Prozent der insgesamt 180 Millionen Kubikmeter Wasser.

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