Literatur 2016

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Eine intensive Auseinandersetzung mit den Ereignissen rund um die Geburt Christi ermöglicht die im Tyrolia-Verlag erschienene Reproduktion einer um 1800 gemalten Weihnachtskrippe. Das Ausschneiden der Karton-Figuren kann durchaus zur Leidenschaft werden – bietet aber gleichzeitig auch die Möglichkeit zur Konzentration und Meditation.

 

In Tirol gehört es zur Tradition, zu Weihnachten eine Krippe aufzustellen – wobei ihre Protagonisten gemalte, geschnitzte, modellierte oder bekleidete Figuren sein können. Aber auch aus Karton geschnittenes Krippenvolk zeigt gut das Heilige Geschehen.

Tiroler Barockkrippe: Die im Tyrolia-Verlag erschienene Reproduktion einer um 1800 in Tirol gemalten Papierkrippe ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit den Ereignissen rund um die Geburt Christi. Foto: Tyrolia-Verlag, Innsbruck.

 

Mit scharfer Schere und ein wenig Geduld. So auch die vom Tyrolia-Verlag aufgelegte „Tiroler Barockkrippe“: Das Ausschneiden der auf vier Kartonbögen in Farbe gedruckten Akteure kann durchaus zu einer Adventmediation der anderen Art werden: Mit Schere und Schneidemesser vertiefen sich die „Produzenten“ ganz automatisch in die biblischen Berichte rund um die Geburt Jesu Christi - und erhalten als „Belohnung“ ein höchst attraktives kleines Kunstwerk.

Die Heilige Familie: Die meisten Figuren der „Tiroler Barockkrippe“ weisen gerundete Konturen auf, können daher auch von Kindern ausgeschnitten werden. Foto: Tyrolia-Verlag, Innsbruck.

 

Demokratisierung: Schlichte, innige Krippen-Akteure für alle! Papierkrippen sind seit dem 18. Jahrhundert in Tirol bekannt. Diese Tempera- und Aquarellmalereien waren allerdings als wertvolle Unikate Kirche und Adel vorbehalten - und konnten relativ platzsparend aufbewahrt werden. Das von Hand gemalte Original der vom Tyrolia-Verlag produzierten Papierkrippe befindet sich in der Sammlung des Diözesanmuseums Hofburg Brixen in Südtirol. Ihre Figuren malte ein anonymer Tiroler Meister um 1800. Sie lassen durch ihre schlicht-innige Gestaltung, durch die Verwendung heller Farben die Zeit des Spätbarocks bzw. die Hinwendung zum Neoklassizismus erkennen. Großer Pathos fehlt bereits. Die verhalten agierenden Protagonisten sind noch in antikisierende Kleidung gehüllt. Auch die „staunenden“ Hirten tragen nur in Ansätzen für Tirol typisches G’wand („Tracht“). Die typischen barocken Parade-Engel fehlen bereits. Insgesamt kommt das papierene Krippenvolk innig und „wahr“, keineswegs sentimental daher. Da barocker Prunk fehlt, kann das Papier-Kunstwerk durchaus in ein zeitgenössisches Wohnambiente integriert werden. Zudem lässt der qualitätsvolle Druck die Malweise erkennen – wodurch der Reiz der Szenerien nochmals erhöht wird.

Hirte - anbetend: Die Vorlage der „Tiroler Barockkrippe“ befindet sich im Diözesanmuseum Hofburg Brixen (Südtirol). Die farbenfrohen Figuren schuf ein anonymer Tiroler Maler um 1800. Foto: Tyrolia-Verlag, Innsbruck.

 

Leidenschaft & Glücksgefühl in der Vorweihnachtszeit. Das exakte Ausschneiden der weihnachtlichen Akteure kann durchaus zur Leidenschaft werden: Die kleinen Details mit spitzen Scheren gekonnt auszuschneiden, den Karton zu bezwingen, die Figuren sozusagen zu „erlösen“ – begeistert! Dabei kann das konzentrierte Ausschneiden durchaus zur (religiösen) Meditation werden. Und: die Bastler werden glücklich! Denn: beim Ausschneiden werden sie um sich herum kaum noch etwas wahrnehmen, da sie sich selbstvergessen ihrer Tätigkeit widmen.

 

Adventliche Bastel-Versammlung. Am besten versammeln sich mehrere Menschen um einen Tisch und schneiden gemeinsam die weihnachtlichen, bis zu 16 cm hohen Akteure aus. Auch Kinder im Volksschulalter „schaffen“ Krippen-Protagonisten mit einfacherem Umriss. Vielleicht bearbeitet jeder an einem Abend nur eine Figur, stellt anschließend seinen „Schnitt“ vor. So trifft man sich jeden Abend, bis die Weihnachtskrippe fertig ist: Voller Stolz können sich die Bastler dann am Heiligen Abend an 24 ausgeschnittenen Figuren (Menschen und Tiere) erfreuen.

Weihnachtsvorbereitung einmal anders: Sich gemeinsam um einen Tisch versammeln und in Ruhe die Akteure der „Tiroler Barockkrippe“ aus Karton ausschneiden. Foto: Tyrolia-Verlag, Innsbruck.

 

Zwei Weihnachts-Szenen in Miniatur. In den Weihnachtstagen selbst stehen dann die papierenen Protagonisten bereit und stellen zwei Cut-out-Szenerien dar:

Bei der „Anbetung der Hirten“ nähert sich einfaches Volk staunend und ehrfürchtig der Heiligen Familie. Maria blickt sanft auf das in der Krippe liegende Wickelkind.

 

Die zweite Szene zeigt ab 6. Jänner die Verehrung des Gottessohnes durch die Heiligen Drei Könige samt Gefolge. Das Jesuskind sitzt nun bereits auf dem Schoss seiner Mutter, die es behutsam stützt. Die Könige reichen ihre Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe, währende sich Diener um die herrschaftlichen Reittiere – ein Dromedar und zwei stolze Pferde – kümmern.

 

So kann mit dem Basteln der „Tiroler Barockkrippe“ nicht nur an den Weihnachtstagen das heilige Geschehen sehr bewusst nachvollzogen werden. Und: Weihnachtsgeschenke ein- und auspacken ist eine sehr schöne Sache, aber sie trifft nicht ganz den Kern des Hochfests der Geburt Christ. Also … wo sind die scharfen Scheren?

 

 

Tiroler Barockkrippe

Herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem Diözesanmuseum Hofburg, Brixen (Südtirol)

Krippenbogen mit 24 Figuren zum Ausschneiden

4 Kartonbögen, 24 farbige Abb.

36 x 28 cm Kartonmappe

Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2011

ISBN 978-3-7022-3142-2

€ 14,95 (volle MWSt./unverbindliche Preisempfehlung)

www.tyrolia-verlag.at

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Zum Autor Dr. Helmuth Oehler, Innsbruck: www.helmuth-oehler.at

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