Handwerk

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Die kleine Bündner Gemeinde Disentis besitzt nicht nur ein altehrwürdiges Kloster, auch das Gewerbe hat ein stattliches Zuhause: Das Gewerbehaus an der Via dalla Stampa beherbergt- ein Handwerksunternehmen, das genau vor einem Jahrzehnt den Betrieb aufgenommen hat -die Manufaktur zai.

 

Was dort entsteht, wird schon im Eingangsbereich deutlich: Ski-Modelle, Sportbekleidung und entsprechendes Zubehör sowie Golfschläger zieren den Show-Room, der in die Produktionsstätte führt. Ihre Gründer wählten dafür den Begriff "Manufaktur", das erinnert an jene Zeiten, als Massenproduktion nach industriellen Kriterien noch ein Fremdwort war. Wie der Name nahe legt, will sich zai durch handgearbeitete Produkte abheben -und das ausgerechnet auf dem Gebiet der Skiherstellung, bei der doch die Massenproduktion den Ton angibt. Heutzutage ein reichlich kühnes Unterfangen, könnte man denken und fragt sich, wer in diesem kleinen Gebirgsort bloss auf diese kühne Idee verfallen ist.

Was es auf dem Markt noch nicht gab

Simon Jacomet konzentriert sich im Büro vor seinem Computer auf den Entwurf neuer Modelle und Designs. Als Mastermind hinter der Firmenentwicklung hat er das Unternehmen 2003 aus der Taufe gehoben. "Ich wollte damals auf dem Gebiet der Skiherstellung etwas umsetzen, das es auf dem Markt nicht gab", erinnert sich der 49-Jährige, der zuvor in Italien Kunst studiert hatte. Später war er fünf Jahre lang in der Ski-Entwicklung tätig, "da habe ich begriffen, was in dieser Branche so alles abgeht und bin zum Schluss gekommen, dass man es auch anders machen kann", erinnert er sich.

Die Massenproduktion sei nicht nur der Fahrleistung abträglich, sie mindere auch die Freude am Skifahren, fährt er fort. "Meine Grundidee war, Produkte zu schaffen, die das Fahren einfacher machen und ein leichteres, freudvolleres und vollendeteres Erlebnis gewährleisten." Und dem Fahrer das Gefühl vermitteln, dass er die Technik souverän im Griff hat. Dieses Ziel glaubt er erreicht zu haben: "Es ist überraschend, was mit unseren Ski alles möglich ist", freut er sich. Mit seiner Geschäftsidee habe er anfangs in der ganzen Branche kaum mehr als ein mitleidiges Lächeln geerntet. Jacomet fand dennoch wohlwollende Investoren. Sein Start-up in den Bündner Alpen kam in Gang, angefangen hatte er ganz bescheiden mit drei Mitarbeitern. Heute verfertigen 14 Angestellte zai-Produkte, auch Golfschläger gehören dazu. Sportbekleidung und Zubehör werden im Haus entworfen und in Italien produziert.

Extrem belastbar

Der Begriff zai bedeutet in der romanischen Sprache der Surselva so viel wie zäh, widerstandsfähig, aber auch hartnäckig. Und das bezieht sich nicht nur auf die Grundhaltung des Firmengründers, auch die Ski-Modelle sind Jacomets Worten zufolge extrem belastbar.- In ihrem Design nüchtern, schlicht und nach den Gesichtspunkten der Funktionalität auf das Wesentliche beschränkt, zeichnen sie sich durch Langlebigkeit aus. Käufer erhalten deswegen eine fünfjährige Garantie. Das hat seinen Preis: zai-Ski kosten je nach Modell zwischen 3900 und 7900 Franken.

Hergestellt werden sie von Handwerkern aus der Region, und auch das ist kein Zufall. "In der Surselva gibt es eine jahrhundertelange Tradition der Holzverarbeitung, das ist hier Königsdisziplin", bekräftigt Geschäftsführer Benedikt Germanier. "Und vor allem: unsere Mitarbeiter bleiben uns treu." Der 46jährige Walliser hatte zunächst ein Ökonomiestudium absolviert und dann als Sportlehrer gearbeitet.

Wie die Ski entstehen, zeigt er in der Produktionsstätte: Für jeden Typ gibt es eigene Kassetten, in denen die zwei Ski vom Belag über den Kern, meist aus Zedernholz, bis zum Deckblatt aufgebaut werden. Schichten aus Polyethylen- und Karbonfasern, Thermoplast und selbst Granitstein gehören dazu. Wie sie genau angeordnet werden, bleibt Betriebsgeheimnis. Zu guter Letzt gelangen sie in die Presse und erhalten bei 40 Tonnen Druck eine halbe Stunde lang ihre endgültige Form. Pro Ski kümmern sich jeweils zwei Mitarbeiter um die anfallenden Arbeitsschritte. Inklusive Arbeitsvorbereitung und je nach Modell brauchen sie dazu zwischen sechs und 13 Stunden. Sodann folgt die Endbearbeitung, Konturen werden mit der Fräse entfernt, der Feinschliff bildet das Finale. Jährlich setzt das Unternehmen nach eigenen Angaben etwa 1000 Paar Ski ab.

Trotzkopf, Schwert und Furche

Ihre romanischen Namen beflügeln die Phantasie: Testa (Trotzkopf) und Spada (Schwert) , wurden für Pistenski-Liebhaber entworfen, mit der Leisa (Furche) durchpflügt man elegant den Tiefschnee und mit dem Pistenskimodell Nezza (Klinge) unter den Füssen wird demnach auch eine Fahrt über harte Unterlagen definitiv zum Vergnügen. Wer sich mit der "feffa" auf Skitouren begibt, der darf sich auf ein besonderes Fahrvergnügen freuen, bedeutet der Name doch "Windhauch". Ski aus dem Hause zai sind nach Germaniers Worten sehr komplex aufgebaut, sie bestehen aus 25 bis 55 verschiedenen Schichten -beim konventionellen Ski sind zehn Lagen üblich.- Diese Vorteile sind Ski-Fahrern nicht verborgen geblieben. Zumal sie in der Manufaktur ganz individuell Sonderwünsche etwa zur Härte und Vorspannung einbringen können. "Es gibt jedoch Grenzen. Wer etwa- Diamanten auf der Oberfläche wünscht, hat Pech, so etwas bauen wir nicht ein, denn das verträgt sich nicht mit unserer Grundhaltung, wir sind und bleiben in dieser Hinsicht kompromisslos." Ski der Marke zai gibt es heute im Fachhandel wie auch in der Manufaktur selbst. Dort bieten die Unternehmer nach Voranmeldung Führungen an, man kann die Ski an Ort und Stelle selbst testen, zumindest im Winter. Dass die handwerklichen High-Tech-Erzeugnisse nicht nur auf den Pisten geschätzt werden, sondern manchmal von den Käufern als Zierde ins Wohnzimmer gestellt werden, das erfüllt Simon Jacomet ganz offensichtlich mit Stolz.

www.zai.ch

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